Verzweigung
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„Mein Glücksbringer kehrt zurück. Fröhlicher Dante.“
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„Um was für einen Gefallen handelt es sich?“
„Bist du … gerade draußen?“
„Ich bin mir nicht ganz sicher, wo ich bin.“
Alternative Formulierung
„Ja, ich bin in der Nähe des Basars.“
Alternative Formulierung
„Ja, ich bin auf dem Dach der Wohnraumkampagne.“
Alternative Formulierung
„Ja, ich bin in der Partygasse.“
Alternative Formulierung
„Ja, ich bin bei den alten Hafenanlagen.“
Alternative Formulierung
„Ja, ich bin beim Quisach-Kreisverkehr.“
Alternative Formulierung
„Ja, ich bin in den Hintergassen.“
Alternative Formulierung
„Ja, ich bin draußen im Pitol-Trakt.“
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„Perfekt. Wundervoll. Nächste Frage: Weißt du, wie ein Ginkgo-Baum aussieht?“
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„Ich kenne den alten luzianischen Ginkgo und seine Bedeutung sehr gut.“
„Du warst aber fleißig.“
„Die Oper schläft nie.“
„So sieht es aus.“ Eine Pause. „Das heißt wohl, dass er seine Blätter noch nicht verloren hat?“
„Die Blätter sind noch da.“
„Dann hast du ja Glück.“
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„Ich für meinen Teil kann keinen Baum wie diesen ansehen, ohne an Zuhause zu denken.“
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„Ich habe gehört, dass sie alle die Klone desselben Baums sind.“
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„Ja, perfekte Reproduktionen. Weit besser als alles, was Anonimos armselige Prägungen erreicht haben – trotz all unser angeblichen technischen Wunder.“
„Und doch erinnern sie mich alle an einen einzelnen Baum: Ein altes Exemplar, in der Mitte des Hofs meiner alten Schule …“
„Klingt wie ein Widerspruch.“
„Das Besondere macht das Allgemeine aus. Sagten sie nicht, dass du Kommunistin wärst?“
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„Wirst du dort drüben nostalgisch?“
„Habe ich dich kürzlich daran erinnert, dass sich mich in diesem lichtlosen Loch unter der Erde befinde? Ich hole mir Beistand, wo ich kann.“
„Ja, perfekte Reproduktionen. Das macht einen demütig, wenn man an die Verfassung unserer eigenen technologischen Fähigkeiten denkt.“
„Die Liebe zu alten Bäumen klingt nicht besonders techno-faschistisch.“
„Es gibt nichts, was der techno-faschistische Gaumen mehr begehrt als die krankhaft süße Nostalgie für die Zukunft, die wir noch nicht erlangt haben. Auf höheren Stufen umfasst diese Nostalgie auch eine Wertschätzung für das, was verloren würde, würde es zu unserer strahlenden Morgendämmerung kommen.“
Verbinde das direkt mit deinem Lustzentrum. Das ist das gute Zeug.
„Du sagst, du fühlst den Verlust des Ginkgos, selbst wenn er immer noch hier ist.“
„Genau. Eine exquisite Empfindung, die Erinnerung zu schmecken, während man die Gegebenheit genießt. Ich hoffe, du kannst das auch einmal erleben.“
„Technologie existiert nicht im Gegensatz zur Natur. Sie meistert, dominiert, aber respektiert auch das, was seine Rolle kennt. Wie eine Beziehung zwischen Mann und Sklave. Wir schaffen uns gegenseitig.“
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„Es ist nur, Bäume erscheinen nicht besonders techno.“
„Denkst du gerne an das Zuhause, dem du zu entfliehen versuchst?“
„Das ist natürlich die Idee. Sie sind hier nicht heimisch. Sie wurden Stück für Stück aus den gemäßigten Zonen des Imperiums fortgebracht. Aber der Haken ist: Sie haben sich nie an ihre adoptierten Gefilde angepasst …“
Wie du, der ewige Fremde. Alles Unterschlüpfe, kein Zuhause.
Du wirst an gewisse religiöse Lehrer deiner Kindheit erinnert, die das ganze Jahr lang traditionelle seidene Gewänder trugen.
Häufig verloren sie Finger durch Erfrierungen im mirzeanischen Winter, und sie trugen deren Fehlen wie Trophäen zur Schau.
„Das Ergebnis ist, dass alle luzianischen Ginkgos, wo auch immer in der Welt sie stehen, ihre Blätter jedes Jahr zur exakt selben Zeit verlieren.“
Eine Gäng von zehn Millionen Herzen, die gemeinsam schlagen.
„Darüber hinaus verlieren sie sie auf spektakuläre Weise – innerhalb von wenigen Stunden. Morgens sieht man sie vielleicht noch in voller Pracht, doch schon am Abend sind sie nackt, ihr strahlendes Kleid verstreut zu ihren Füßen.“
„Das klingt wunderschön.“
„Es ist unvergleichlich. Und die Wertschätzung, die man dafür empfindet, wird tiefer, je mehr man die Bedeutung versteht …“
„Die Gesandten des Erleuchteten Imperiums sorgten dafür, dass Ginkgos in jedem Gebiet gepflanzt wurden, das sie für sich beanspruchten – so dass, wo auch immer das Licht des Imperiums hinkam, egal wie abgelegen oder scheinbar unwirtlich, es eine Erinnerung an Zuhause gab.“
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Es ist Nacht in der Partygasse. Die Leute gehen aus, nichts kann sie davon abhalten.
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Leichte Regenschauer ziehen in nordöstlicher Richtung über die Region. Wer zu Fuß nach Hause geht, sollte mit ungewöhnlich starker Melancholie rechnen. Die Windgeschwindigkeit in nördlicher Richtung beträgt 5 bis 8 Knoten pro Stunde und wird nach Mitternacht nachlassen.
„Danke, dass du Nachsicht mit den Launen eines armen Mannes zeigst. Ich hatte befürchtet, ich würde dieses Jahr das Fallen der Blätter verpassen.“
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Der Himmel ist bedeckt und bringt leichten Regen und eine starke Tendenz, sich in der Umgebung zu spiegeln. Erwarte Böen bis zu 20 Knoten pro Stunde.
Flächiger Nebel am Morgen, der die gestrigen Illusionen verbrennt. Zunehmende Bewölkung, Tiefstwerte um 9 Grad.
Es ist Nacht in der Partygasse. Die Leute gehen aus, sie suchen nach Trost und Vergnügen.
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Es ist Morgen in der Partygasse. Es ist fast niemand da.
Es ist Mittag in der Partygasse. Die Leute sind beim Shoppen.
„Klingt langweilig.“
„Nur für eine niedere Seele, die von der natürlichen Welt und ihren Schätzen entfremdet ist …“
„Klingt, als würde es dich anmachen.“
„Wie der Geschlechtsakt handelt es sich um eine intensive spirituelle Erfahrung, wenn man es in irgendeiner Weise zu schätzen weiß …“
„Genug des Geredes über Bäume. Ich habe dir deinen Gefallen getan.“
„Und wenn man bedenkt, dass wir gerade zum besten Teil kamen.“ Ein Seufzen. „Anscheinend missfallen dir stets meine Geschichten.“
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„Danke, dass du es mir gesagt hast. Ich befürchtete, dass ich den Blätterfall dieses Jahr verpassen würde.“
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„Vielleicht bin ich einfach verrückt nach Bäumen.“
„Vielleicht.“ Eine Pause. „Das heißt wohl, dass er seine Blätter noch nicht verloren hat?“
Du sagst nichts.
„Ich nehme an, das heißt, er hat seine Blätter noch nicht verloren?“
„Ich stehe gerade sogar in der Nähe von einem.“
„Sehr gut. Dann sag mir: Wie ist er so? Ich will mich fühlen, als wäre ich da und würde ihn mit dir betrachten.“
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„Ich bin nicht wirklich gut im Beschreiben.“
„Ich befinde mich seit Tagen in diesem zeitlosen Kasten. Seit sie mich hierhergebracht haben, habe ich kein Tageslicht gesehen. Und ich habe auch keinen Windhauch auf meiner Wange gespürt.“
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Du beschreibst den Ginkgo-Baum.
Ein Feuerball aus Gold, in der Zeit erstarrt. Die Menschen geraten darüber in Verzückung, sich der wundersamen Gewalt in ihrer Mitte nicht bewusst.
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Ein paar Meter entfernt kommt eine weitere Aero-Tram an. Ein Liebespaar, etwas angeheitert, umarmt sich, Millisekunden davon entfernt, von Glanz umhüllt zu werden. Niemand scheint es zu bemerken.
DIE WELT WIRD ENDEN FÜR DEN BLOSSEN GEDANKEN AN UNS
Niemand, außer dir.
„Es erinnert mich an eine Explosion.“
„Ohhh! Ein fesselndes Bild. Was denkst du, bedeutet es?“
„Ich habe es verursacht. Das ist mein Werk.“
„Was ist das – sind das Gewissensbisse? Oder ist es eine Art Vorahnung?“
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Der Augenblick geht vorbei. Das Liebespaar ist in der Umarmung zusammengestürzt.
FÜHR MICH ZUM PLATZ DES VOLKES NELKEN IN DEINEM HAAR WENIGSTENS BEHÄLTST DU DEINEN NAMEN
Als du erneut auf den Ginkgo blickst, ist er kein Symbol vergangener Versäumnisse und Vorahnungen der Zukunft mehr. Er ist einfach nur wieder ein Baum.
Alternative Formulierung
Als du erneut auf den Ginkgo blickst, ist er kein Symbol vergangener Versäumnisse und Vorahnungen der Zukunft mehr. Er ist einfach nur wieder ein Baum.
Alternative Formulierung
Als du erneut auf den Ginkgo blickst, ist er kein Requisit deines paranoiden Psychodramas mehr. Er ist einfach nur wieder ein Baum.
Alternative Formulierung
Als du erneut auf den Ginkgo blickst, ist er kein Symbol deines 'Hardcore'-Selbstbilds mehr. Er ist einfach nur wieder ein Baum.
Alternative Formulierung
Als du erneut auf den Ginkgo blickst, ist er kein flackerndes Hirngespinst mehr. Er ist einfach nur wieder ein Baum.
Der Moment zieht vorbei. Die Pendler haben den Platz verlassen.
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Der Moment zieht vorbei. Die Rentner haben ihre Einkäufe erledigt.
Der Moment zieht vorbei. Die Kinder haben sich davongemacht.
„Das ist nicht real. Die Handlung ist inszeniert, die echte Explosion ist unsichtbar.“
„Jetzt faselst du nur. Du klingst wie eine Drogensüchtige.“
„Das ist wie ein Raketenangriff. Genau, was uns gefehlt hat.“
„Träumst du oft von sinnloser Zerstörung? Könnte ein Zeichen für ein missgestaltetes Bewusstsein sein.“
„Es ist nur ein Bild, das mein Geist entwirft, es hat keine Bedeutung.“
„Sicher, sicher. Wahrscheinlich bedeutet es gar nichts.“
Ein paar Meter entfernt kommt eine weitere Aero-Tram an. Pendler verlassen sie, ihre Körper wund von der täglichen Arbeit, Millisekunden davon entfernt, von Glanz umhüllt zu werden. Niemand scheint es zu bemerken.
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Ein paar Meter entfernt kommt eine weitere Aero-Tram an. Ein paar Rentner verlassen sie für die täglichen Einkäufe, Millisekunden davon entfernt, von Glanz umhüllt zu werden. Niemand scheint es zu bemerken.
Ein paar Meter entfernt kommt eine weitere Aero-Tram an. Ein paar barsche junge Menschen lassen Musik aus einem Ghettoblaster in der Nähe erschallen, Millisekunden davon entfernt, von Glanz umhüllt zu werden. Niemand scheint es zu bemerken.
Metaphorische, sensorische Einzelheiten, lebendige Beschreibungen – dies sind die Werkzeuge eines Feiglings. Sag einfach, was du in der Birne hast.
„Er ist sehr blättrig. Ich würde ihn einen sehr Blatt-orientierten Baum nennen.“
„'Blatt-orientiert', hast du nicht mehr drauf? Du klingst wie eine Idiotin mit einem Abschluss in Liberalen Künsten.“
Ausbildung: Universität von Landau (ohne Abschluss). Studiengang: Moderne Wirtschaft (maternaler Druck).
„Zumindest bedeutet das, dass sie sie noch nicht abgeworfen haben, das ist die Hauptsache. Danke, dass du Nachsicht mit den Launen eines armen Mannes zeigst.“
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„Er ist verwunschen, oder? Dieser Baum steckt voller Geister.“
„'Voller Geister'? Hat deine Mutter Terpentin geschnüffelt? Du musst einen weichen Schädel haben.“
Bevorzugte Laster, Mutter: Nikotin, Alkohol, 'Diätshakes'. Kein Lösungsmittelmissbrauch ('Unterklasse') bekannt.
„Sag mir wenigstens, dass er noch seine Blätter hat. Das kannst du doch, oder?“
„Du hast mich beleidigt, jetzt suhle dich in der Ungewissheit.“
„Wehe mir, dass ich eine so launische Telefonfreundin habe. Na gut, vergiss es.“
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„Hat er, ja.“
„Gut, gut. Das war es, was ich wissen musste. Danke, dass du Nachsicht mit den Launen eines armen Mannes zeigst.“
„Die Natur ist absolut hodenlos, es gibt nichts darüber zu sagen.“
„'Absolut hodenlos', hast du nicht mehr drauf? Du klingst wie eine Heranwachsende, die nie vom Riemen gekostet hat.“
Keine Referenzen gefunden unter 'Mutter' und 'Gewalt, physisch' ('Unterklasse'). 'Gewalt, verbal' enthält häufige Referenzen auf 'Zurückhaltung von Zuneigung' und 'vernichtende Kritik'.
„Ich male dir kein geistiges Bild, tut mir leid.“
„Enttäuschend. Aber sag mir wenigstens: Hat er noch seine Blätter?“
„Was kümmert dich das? Es ist nur ein Baum.“
„Es ist viel mehr als das. Wenn du nur empfänglich dafür wärst.“
„Die Blätter sind noch dran, ja.“
„Gut. Das ist gut …“
„Ich kenne mich nicht besonders gut mit Bäumen aus.“
„Es ist der mit dem brutalsten, herrlichsten Geld. Der, der dich daran erinnert, dass alle menschliche Existenz im geologischen Zeitrahmen ein bloßes Staubkorn ist.“
„Ja, genau hier ist einer.“
„Da ist ein gelber Baum in der Partygasse, nahe der Aero-Tramstation.“
„Würdest du wohl das öffentliche Telefon suchen, das diesem Baum am nächsten ist, und mich von dort aus anrufen? Es ist wichtig.“
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„So einen Baum habe ich noch nie gesehen.“
„Es sollte einen in der Nähe der Aero-Tramstation an der Partygasse geben. Ruf mich zurück, wenn du dich wieder mit der Ewigkeit vertraut gemacht hast.“
„Ja, ich habe einen in der Nähe der Partygasse gesehen.“
„Guter Anfang. Nächste Frage: Weißt du, wie ein Ginkgo-Baum aussieht?“
„Ich kann deinen gelben Baum von hier aus sehen.“
Alternative Formulierung
„Ich kann deinen Ginkgo-Baum von hier aus sehen.“
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„Heißt du zufällig Dante?“
„Könnte sein. Allerdings würde ich sagen, dass unter den aktuellen Umständen 'Armer Dante' passender wäre.“
„Ich habe deine Ausreisepapiere gefunden.“
„Ah, was für eine Erleichterung. Du hast einem alten Mann etwas Ruhe verschafft.“
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„Und was ist mit meinen anderen Anliegen? Tempo machte mir gewisse Zusicherungen.“
„Moment, was für Zusicherungen?“
„Nichts Extravagantes. Sichere Durchreise nach Novessa, eine Aufenthaltserlaubnis und ein kleines Apartment in der alten Stadt, eine Dozentenstelle an der Polytechnischen, totale Immunität für jegliche 'Verstöße', von denen deine Partei meint, dass ich sie gegen 'das Volk' begangen hätte.“
Reine Spekulation. Dein alter Statist hatte nicht die Befugnis, Angebote im Namen der Oper zu machen.
ER KANN SEINE IMMUNITÄT IN DEN CADMIUM-MINEN AUF DEM MOND FINDEN.
„Woah, woah – von welcher Art 'Verstöße' sprechen wir hier?“
„Keine Sorge, nur Dinge von rein kultureller Natur.“
„Ähm … Schau mal, Tempo konnte nicht wirklich an irgendwas davon kommen.“
„Wirklich? Nicht mal das kleine Apartment in der alten Stadt? Man sagte mir, das Dach wäre mit wunderschönen roten Ziegeln gedeckt …“
Ein romantisches Bild, von Postkarten inspiriert, die vom Tourismusbüro ausgegeben wurden.
„Ich glaube, ich klinge undankbar.“ Er seufzt. „Nun, ich erwarte dein Wort.“
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„Kein Problem, ich habe mich um alles gekümmert.“ (Du lügst.)
„Wunderbar. Dann werde ich auf ein Wort von dir warten.“
„Aber jetzt bin ich neugierig, was du mit ihnen vorhast. Bedeutet das, dass du beschlossen hast, mir hier rauszuhelfen?“
„Vielleicht. Ich habe ein Angebot für dich.“
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„Freude. Deneb hielt es für richtig, mich aus meiner Verzweiflung zu erlösen. Was ist der Preis dafür?“
Geifernd, genießend.
„Das, was in deinem Geiste steckt. Du wirst mir eine Chance beim Großen Lich geben.“
„Natürlich hatte ich nicht weniger erwartet. Aber sag mir, warum will deine Oper den luzianischen Minister für Massenkultur töten?“
Seine Stimme urteilt nicht. Seine Neugier ist unschuldig, fast wie von einem Kind.
„Weil wir natürliche Feinde sind.“
„Ich glaube, du meinst, dass ihr ideologische Feinde seid. In Hinblick auf die Natur würdet ihr vielleicht gut miteinander auskommen.“
„Also soll ich das Lied des Verräters spielen. Einer Bande von Kommunisten helfen, meinen Freund und Meister zu ermorden, alles, um unseren strahlenden Marsch in Richtung Endgültiger Gesellschaft zu stören …“
Die Leitung summt. Dumpfiges Wasser tropft.
„Natürlich, Namenlose. Kein Problem.“
Alternative Formulierung
„Natürlich, Hershel, kein Problem.“
„Das war's? Keine Gewissensbisse, weil du deine eigene Zunft verraten hast?“
„Was soll ich sagen? Das Gefängnis hat mich zu einem Realisten gemacht.“
„Ich hoffe nur, dass du nicht planst, mir bei der frühesten Möglichkeit in den Hinterkopf zu schießen. Ein schmachvolles Ende für den armen Dante.“
Alternative Formulierung
„Ich hoffe nur, dass du nicht planst, mir bei der frühesten Möglichkeit in den Hinterkopf zu schießen. Ein schmachvolles Ende für einen armen Gefangenen wie mich.“
Du kannst das übelriechende Wasser, das über seine Füße schwappt, förmlich spüren.
„Wer hat irgendwas davon gesagt, dich zu erschießen?“
„Niemand hat irgendwas gesagt. Manche Worte sind so überflüssig wie Namen.“
Stille rauscht und knistert am anderen Ende der Leitung.
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„Angesichts dessen, wie du dir bereits meine Ausreisepapiere gesichert hast, denke ich, dass das bedeutet, dass wir einen Deal haben.“
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„Es gibt da nur eine klitzekleine Sache – meine Ausreisepapiere.“
„Du meinst, die, die dir Tempo versprochen hat?“
„Was bringt meine Freiheit, wenn ich in Portofiro gefangen bin, eine einfache Beute für das Weinende Auge oder wer auch immer dem armen Dante seine Entscheidungen anlastet?“
Alternative Formulierung
„Was bringt meine Freiheit, wenn ich in Portofiro gefangen bin, eine einfache Beute für das Weinende Auge oder wer auch immer einem armen alten Mann seine Entscheidungen anlastet?“
Wo ihn die Oper hinschicken würde, bräuchte er keine Papiere.
„Irgendeine Idee, wo diese Papiere sind?“
„Alles klar. Ich werde sie finden.“
„Danke, Namenlose. Dann haben wir wohl einen Deal.“
Alternative Formulierung
„Danke, Hershel. Dann haben wir wohl einen Deal.“
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„Vielleicht, wenn ich die Zeit finde.“
„Keine wirklich inspirierende Antwort. Denk daran, wir brauchen einander.“
„Ganz gleich, ich habe sie.“
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Du sagst nichts.
„Du hast deinen Kameraden viel zu schnell verraten. Welches Ass hast du im Ärmel?“
„Ernsthaft, sie haben mir alles genommen, als sie mich hier reinwarfen. Ich habe nicht mal Ärmel.“
„Reg dich ab.“
„Nun, da ist dieses große Brett im Hauptquartier der Oper. Da steht 'SIEGBEDINGUNGEN' oben dran …“
„Ich bete zu Deneb, dass du bildlich sprichst.“
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„… Es ist kein richtiges Brett. Eher sowas wie eine Tafel …“
„Ah. Du meinst das buchstäblich, oder?“
Du hast die Tyrannei der Geschichte mit der Tyrannei der Tabelle getauscht. Ein schlechtes Geschäft.
„… Ich denke, La Luz gewinnt, wenn ich das richtig verstehe …“
„Wirst du weich im Kopf?“
„… weißt du, der Superbloc ist auf den moralischen Sieg aus …“
„Das sagt mir nichts, muss ich zugeben.“
„… und wie auch immer. Auf der Tafel steht, dass der Lich sterben muss.“
„Es stimmt, was sie sagen: Am besten blickt man nie hinter den Vorhang.“
„Ich sagte dir bereits, ich bin auf der Suche nach Vergebung.“
„Natürlich. Eine herzerwärmende Geschichte der Erneuerung durch Gewalt. Wir könnten noch eine Faschistin aus dir machen.“
„Unsere Wege sind unsere eigenen.“
„So gut wie jeder andere Grund. Vielleicht der beste, wenn man alles bedenkt.“
„Weiß ich nicht, ist mir egal.“
„Nein. Warum auch? Du bist nur das Laufmädel.“
„Ich habe mich noch nicht entschieden.“
„Weißt da, manch einer würde sagen, dass das Spielen mit den Hoffnungen eines alten Mannes als Misshandlung betagter Menschen gewertet würde.“
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„Ich habe ein Angebot, das dich hier rausbringen könnte.“
„Was kannst du mir über den Hundertäugigen Golem erzählen?“
„Du meinst Tesoro Buendia, den Kopf des Weinenden Auges?“
„Magst du seinen Beinamen nicht?“
„Oh, doch. Eine kuriose Tradition der Oper, die Dämonisierung macht uns das Töten leichter. Wir machen das auch, meist mit unerwünschten Minderheiten.“
FALSCH, TECHNO-FASCHISTEN ZU TÖTEN, FÄLLT IMMER LEICHT. DIE NAMEN ENTHÜLLEN EINFACH NUR DIE WAHRHEIT ÜBER SIE.
„Er ist auch eine Prägung, wie der Lich, oder?“
„Natürlich, angesichts seiner Position. Er gehört zur 'kompromisslosen' Linie, so wie beinahe alle Sicherheits- und Militär-Häuptlinge.“
„Wie ist er so?“
„Grausam. Intelligent. Aber irgendwie auch phantasielos.“
„Ich hörte, dass er süchtig nach Kartenlegen ist. Ein aberwitziger Zug für den Kopf unserer Geheimpolizei, dem Umdrehen von Karten verfallen zu sein.“ Er seufzt. „Aber so ist das nun mal.“
Ein breiter Mann prüft seine Karten durch eine Brille mit Doppelgläsern und flüstert beim Ziehen zu sich selbst. Agenten des Weinenden Auges sitzen gebeugten Hauptes um ihn herum, das Wort Gottes erwartend.
„Wie ich hörte, verstehen sich er und der Große Lich nicht.“ (Weiter.)
Sie repräsentieren verschiedene Ministerien, mit verschiedenen Privilegien. Tesoro und seine Schläger blicken immer noch auf die Welt unter den Aspekten von Besitztümern und der Tonnage von Flugzeugträgern. Er ist einer der fanatischsten Verfechter der Reunión.“
Ein Zwiespalt, an den du dich besser erinnern solltest. Hier könnte sich etwas ausnutzen lassen.
„Facundo und das Ministerium für Massenkultur allerdings. Die haben eine andere Sichtweise.“
„Ich kann mir vorstellen, dass der Golem nicht zu scharf auf diese geheimen Abkommen ist.“
„Er hasst sie. Scharfsinnig von dir, das zu bemerken.“
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„Irgendein Tipp, falls ich ihn jemals treffe?“
„Ja. Bete um deinen schnellen Tod.“
Scheiß drauf. Gewähre stattdessen ihm einen.
„Das reicht. Danke“
Er sagt nichts. Aber du spürst, dass er dich am anderen Ende der Leitung abschätzt.
„Ich habe das 'Gerät' gefunden, das du Tempo gegeben hast.“
„Siehst du? Ich habe mein Wort gehalten. Was hältst du von unseren technischen Herrlichkeiten?“
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„Ich habe gehört, dass es Kopien von Menschen erzeugt.“
„Nein, keine Kopien. Prägungen. Der Unterschied ist subtil und gewaltig.“
„Was es zu tun versucht, ist, die geistigen Bilder zu kopieren, die der Mechanismus generiert. Selbst wenn die Bildqualität scheiße ist. Die tragische Schönheit des Prototyps.“
Gefangen zwischen der alten Realität, die es hervorgebracht, und der neuen, die es nicht bewirkt hat.
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„Wie funktioniert dieses 'Prägen' genau?“
„Beginne mit einer Erinnerung, je prägender, desto besser. Das Gerät überträgt diese Erinnerung vom Nutzer auf ein Subjekt und lässt das Subjekt denken, dass diese Erinnerung seine eigene ist.“
„Unter normalen Umständen würde der Verstand diese falsche Erinnerung natürlich einfach abstoßen, so wie der Körper mitunter ein fremdes Organ abstößt.“
„Ich habe gehört, dass Drogen und Hypnose daran beteiligt sind.“
„Jede Transformation ist gewalttätig. Sei nicht so schwammig.“
Natürlich funktioniert das Ganze am besten mit Katatonikern und Einfaltspinseln.
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… so wie bei deinem unglücklichen Double beispielsweise.
„Angenommen, das Subjekt ist ausreichend formbar, dann prägt sich die übertragene Erinnerung ein.“
„Und der Verstand erzeugt eine neue Psyche um die eingeprägte Erinnerung herum.“
„Eine neue Psyche, die die von wem auch immer nachahmt, der die Erinnerung geliefert hat.“
„Das ist auf jeden Fall der Gedanke dahinter. Natürlich hängt die Qualität der Kopie von vielen Faktoren ab: Der Klarheit der Erinnerung, der Eignung des Subjekts und so weiter.“
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„Und das … funktioniert wirklich?“
„Das sah für mich wie ein mentaler Heimkinoprojektor aus.“
„Wie niedlich. Einfach ein Austausch von Heimkinofilmen.“
„Wie bringt man das Subjekt dazu, die Prägung anzunehmen?“
„Traumdeutung, dissoziative Anästhetika, nutze deine Fantasie.“
„Ich hab’s mal ausprobiert. Bisher sind die Ergebnisse eher … durchwachsen.“
Alternative Formulierung
„Ich hab’s mal ausprobiert. Bisher sind die Ergebnisse eher 'katastrophal' als 'wunderschön'.“
„Eine Geschichte, die so alt ist wie Anonimo selbst. Darf ich fragen, wo du ein passendes Motiv gefunden hast?“
Ein bisschen beeindruckt, ein bisschen beunruhigt.
„Mein Double wurde von unseren Feinden außer Gefecht gesetzt. Ich konnte es nicht ertragen, ihn so anzusehen.“
„Anstatt ihm also eine leere Leinwand zu hinterlassen, hast du ihm ein Selbstporträt in einem gewölbten Spiegel gemalt.“
„Und? Bist du mit den Ergebnissen zufrieden? Ich nehme an, wenn wir hier reden, heißt das, dass sie es noch nicht geschafft haben, dich umzubringen.“
Das würden wir doch nie tun … oder?
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„Wie bitte?“
„Habe ich dir Angst gemacht? Das war nicht meine Absicht. Es ist nur so, dass die Begegnung mit deiner Prägung eine ziemlich intensive Erfahrung sein kann. Sie weckt unter anderem schmerzhafte Gefühle darüber, was das Selbst eigentlich ausmacht …“
„Das Gleiche gilt natürlich auch für die Prägungen selbst.“
Verzweigung
„Sie scheinen ziemlich verwirrt darüber zu sein, worin ihre Rolle eigentlich besteht.“
„Man kann es ihnen nicht wirklich übel nehmen. Aus der glückseligen Ewigkeit gerissen und in diese Kloake geworfen zu werden …“
Er stützt sich an der Wand ab und drückt seinen Mund an den Hörer. Mit der Fußspitze rührt er das dunkle Wasser auf.
„Ich würde sagen, Verwirrung ist die natürliche Reaktion.“
Verzweigung
„Sie scheinen völlig verwirrt zu sein, wer von uns beiden echt ist.“
„Ich habe die Hierarchie gestärkt. Mein Einfluss ist sichtbar, aber nicht hörbar.“
„Ist das wahr? Die klassenlose Gesellschaft fängt wohl zu Hause an.“
„Ich weiß eigentlich gar nicht, wo sie gerade sind. Sie sind verschwunden.“
„Ein armseliges Schild, aber gut lesbar: Aus der glückseligen Ewigkeit gerissen und in diese Kloake geworfen zu werden …“
Er stützt sich an der Wand ab und drückt seinen Mund an den Hörer. Mit der Fußspitze rührt er das dunkle Wasser auf.
„Ich würde sagen, die Flucht ist eine vernünftige Reaktion.“
„Ich bin total cool, also ist es natürlich doppelt so cool, wenn es zwei von mir gibt.“
„Natürlich, natürlich. Ich hoffe für dich, dass es während der ganzen Zeit 'cool' bleibt.“
„Das Ganze war ein schrecklicher, unverzeihlicher Fehler.“
„Das klingt nach einem unzufriedenen Kunden. Tsk, tsk. Es sei denn, das ist das, was man ein 'Du'-Problem nennt …“
„Sagen wir einfach, ich hatte einen Statisten zur Hand.“
„Unheilvolle Worte, aber es ist dein Gewissen, nicht meines.“
„Das geht dich nichts an, würde ich sagen.“
„Natürlich nicht. Und das ist auch nicht mein Problem.“
„Ich kann es nicht mal anschalten Die Batterien sind leer.“
„Hm. Jedes echte luzianische Gerät sollte welche haben. Du könntest auf dem 'Basar' danach Ausschau halten. Hie und da stolpert man in dieser Fake-Wüste über eine Oase der Authentizität.“
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„Ich kann es nicht mal anschalten Die Batterien sind gewangt.“
„Wie bist du überhaupt an dieses Gerät gekommen?“
„Ich missbrauchte meine Befugnis und betrog einen alten Kollegen im Zukunftsministerium.“ Eine Pause. „Ich nehme an, dass er schon tot ist. Und wenn nicht, dann ist er's bald.“
„Was du verstehen musst: Es existieren nur fünfzehn dieser Geräte. Dieses hier ist das Einzige außerhalb des Erleuchteten Imperiums. Schon die Tatsache, dass ich dir von dessen Existenz erzählt habe, einer Ausländerin, einer Kommunistin, einer Spionin, wäre Grund genug, mich dreifach als Verräter hinzurichten.“
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„Hat dir Tempo erzählt, was er mit so einem Ding anfangen will?“
„Hat er nicht und ich habe nicht gefragt.“
„Warum nicht?“
„Weil ich es nicht wissen wollte. Genauso wie er nie fragte, was ich vorhatte, wenn ich das Erleuchtete Imperium verließ.“
Man kann nicht betrügen, was man nicht kennt.
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„Also warum würde Tempo es verwenden, um sich in ein 17-jähriges Mädchen zu prägen?“
„AHAHAHAHAHAHA …“
„HAHAHAHA … HA …“
„Eine exzellente Frage.“
Ein trockenes, bellendes Lachen hallt von den Wänden der Zelle zurück in den Hörer.
So bitter, dass du es mit der eigenen Zunge schmecken kannst.
Dir dämmert, dass du ihm die Pointe eines kosmischen Witzes geliefert hast, den nur er verstehen wird.
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„Genug zu dem Präge-Gerät. Ich habe andere Fragen.“ (Zurück.)
„Ich stehe dir zur Verfügung.“
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„Ich habe mehr Fragen zu dem Präge-Gerät.“
„Nur zu. Tun wir einfach so, als wäre ich dein 'Technik-Support'.“
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„Ich will mehr über diese geheimen Abkommen wissen. Was ist deine Rolle dabei?“
„Ich sollte die Rolle des treuen Köters von Facundo spielen, der bei unseren Verhandlungspartnern herumschnüffelt.“
„Und? Was hast du gerochen?“
„Entartung und Mutation der Art, wie sie nur die Entwickelte Welt schaffen kann. Bei angeblich 'Meinesgleichen', einer ein hochgradiger Alkoholiker, der andere eine Art moderner Perverser.“
„Der hochgradige Alkoholiker ist Oskar Metamoto. Habe ihn in der Gosse mit einer Flasche herumliegen sehen.“
„Verabscheuungswürdiger Kerl. Wenn du die Gelegenheit dazu bekommst, dann tritt ihn von mir – genau zwischen die Rippen.“
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„Ich habe ihn schon mal getreten.“
„Gut. Dann verpass ihm noch eine.“
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„Aber sprechen wir nicht mehr über meine Verhandlungspartner. Nur der Gedanke an sie sorgt dafür, dass mir schlecht wird.“
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„Der Perverse ist ein Telefonsexsüchtiger nahmes Frederick. Wir kennen uns recht gut.“
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„Besorgniserregend. Du solltest mal darüber nachdenken, was das über dich aussagt.“
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„Erzähl was über diesen hochgradigen Alkoholiker.“
„Ehrlicherweise sehe ich ihn selten. Er erweckt in mir den Eindruck eines einst furchterregendes Tiers, das sich auf seine Keulung vorbereitet. Trägt eine armselige Krawatte – schreiend rosa wie die Zunge eines Kindes.“
„Ich habe einen Anzugträger mit rosa Krawatte in der Gosse liegen sehen. Klingt nach ihm.“
„Ja, klingt verabscheuungswürdig genug. Wenn du die Gelegenheit dazu bekommst, dann tritt ihn von mir – genau zwischen die Rippen.“
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„Ich habe ihn schon mal getreten.“
„Gut. Dann verpass ihm noch eine.“
„Klingt wie eine echte Partymaschine.“
„Er ist eine Schande für seine Ideologie und Organisation.“
„Klingt nicht, als würde er die Verhandlungen führen.“
„Es klingt ein bisschen seltsam, wenn du das so sagst, oder? Man wundert sich fast, wie ernst EMTERR das wirklich nimmt …“
„Wenn er dich nicht trifft, wo ist er dann?“
„Könnte ich nicht sagen. Vielleicht ist er in einem geheimen luzianischen Gefängnis, und unsere Oberen verhandeln in diesem Moment über unseren Austausch.“
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„Was hat es mit dem modernen Perversen auf sich?“
„Ein verschwitzter junger Typ, offensichtlich süchtig nach einem bestimmten öffentlichen Telefon, wo er sein missgestaltetes Herz einer Tele-Prostituierten ausschüttet.“
„Ah, dieser Typ. Ich glaube, dass ich ihn schon mal getroffen habe.“
„Interessant.“ (Du fühlst die sinnliche Telefonkarte in deiner Tasche.)
„Suche nach der billigsten Ecke dieses verkommenen Bezirks. Ich glaube, sie heißt 'die Hintergassen'. Ich bin mir sicher, dass er dort ist, mit der Telefonschnur um seinen Hals gewickelt.“
„Du sprichst über die Wunder-Hotline.“
„Wird sie so von ihnen genannt? Ein billiger Witz.“
„Hast du eine Ahnung, wo ich ihn finden könnte?“
„Ich habe von diesem 'modernen Perversen' gehört. Er ist irgendsoein Telefonsexsüchtiger namens Frederick.“
„Dante, was hat es mit dem Techno-Faschismus auf sich?“
„Eine interessante Frage für eine Person, die aus dem Licht in die Schatten flieht. Hat dich die Zeit hier Techno-neugierig gemacht?“
„Nenn es berufliches Interesse.“
„Natürlich. Halten wir es professionell. Nichts, bei dem sich deine Vorgesetzten genötigt fühlen würden, es für deine unvermeidliche Denunziation aufzunehmen.“
NATÜRLICH IST KEINE DENUNZIATION VERGLEICHBAR MIT EINER SELBSTANZEIGE.
„Danke dafür. Und jetzt zum Knackpunkt.“
„Vor einer langen, langen Zeit war da ein cleverer Mann, dessen Name von der universellen Registrierung entfernt wurde, weshalb ihn alle 'Anonimo' nennen.“
Ein Name, den du aus deiner Politische-Theorie-Schulung kennst. Eine quasi mythische Figur, der erste Mensch, der die Ideologie namens Techno-Faschismus beschrieben hat, gestorben 150 Jahre, bevor der Computerchip erfunden wurde.
„Nun, unser Held erkannte, dass die Geschichte, wie wir sie kennen, ans Ende gelangte. Er konnte nicht sagen, wann oder warum, aber er sah es vor allen anderen voraus.“
„Dieser kluge Mann beriet den Kaiser und sagte ihm, dass das Ende der Geschichte eines Finalen Subjekts bedürfe, eines, das nur von einer Endgültigen Gesellschaft hervorgebracht werden könnte.“
Verzweigung
Dein Möchtegern-Statist Ignatz verwendete eine sehr ähnliche Sprache.
Irgendwoher der Klang einer Glocke, gedämpft durch ein Geschirrtuch.
„Warte mal, zurück. Was war falsch an der alten Gesellschaft?“
„Als eine Spezies entdeckten wir Massenpolitik, bevor wir eine vernünftige Massenkultur entwickelt hatten. In der Rückschau war das ein 'eigenes Ziel'.“
DIE PARTEI EMPFINDET MIT. DAS PROBLEM MIT DER ARBEITERKLASSE IST IHRE UNERTRÄGLICHKEIT.
„Das Ergebnis waren Jahrhunderte des industrialisierten Gemetzels und wahnhafter Revolutionen. Deine erstarrte 'Partei' hat natürlich eine eigene Sicht der Dinge.“
DER EPOCHALE KAMPF, DER TRIUMPH DER DIALEKTIK ÜBER DIE GESCHICHTE SELBST. KEINE URSACHE, MENSCHHEIT.
„Aber dann endete die Geschichte.“
„Anonimos Tragödie war, einen Brief an die Welt mit einem Stempel der Zukunft zu schreiben. Er starb, ohne jemals eine Antwort erhalten zu haben. Aber heute steht der Postbote an der Schwelle.“
„Warum heute?“
„Das ist eine sehr gute Frage, oder? Vielleicht die Frage.“
„In den Tagen Anonimos fehlten der Menschheit die technologischen Mittel, um echte Massenkultur zu erreichen. Heute lässt sich das unmöglich bestreiten. Aber gleichzeitig verbleiben unsere sozialen und politischen Beziehungen in einer früheren Epoche gefangen. Die Kluft wird Tag für Tag breiter.“
„Weiter, erzähl mir was über diese 'Endgültige Gesellschaft'.“ (Weiter.)
„Sie wird o so großartig werden. Hier werden die Überbleibsel des Individuellen in einer Suspension fürchterlicher Wunder aufgelöst.“
„Man sagt, Geschichte ist das einzig wahre Bewusstsein – ein großer pulsierender Körper der Menschheit, Sehnsucht im großen Maßstab. Davon geschieden ist es nichts als eine trübe Birne, die in einer Toilette flackert. Separat, sinnlos, leicht nach Urin riechend.“
„Ich habe mich der Menschheit nie nahe gefühlt.“
„Das ist nicht dein Fehler. Das ist das selbstmörderische Zeitalter, in dem du aufgewachsen bist. Wenn wahrer Fortschritt unmöglich ist, dann wächst sich der Geist ein.“
„Verstehe das nicht falsch. Es gibt nicht sowas wie einen Neustart der Geschichte – Anonimo sah das mehr als ein Jahrhundert vor Latour-Woolgar kommen. Was notwendig ist, ist die Schaffung eines neuen Bewusstseins, des Finalen Subjekts, das direkt auf die Geschichte einwirken kann.“
Eine Zeile einer alten kommunistischen Hymne kommt dir in den Sinn, ein Fragment deiner Umerziehung.
„'Um den Fluss der Sterne zu lenken und nicht mit seiner Strömung mitgerissen zu werden …'“
Verzweigung
„In anderen Jahrhunderten wussten sogar Kommunisten, wie man träumt. So abscheulich unperfekt sie auch sein mögen, die Prägungen von Anonimo haben den Kontakt mit diesen Impuls nicht komplett verloren.“
„Das Finale Subjekt wird ein Mensch sein, der Gottes Gesicht trägt, oder Gott, der des Menschen Gesicht trägt. Das Subjekt formt die Maske.“
Ein Operant der kosmischen Ebene.
Verzweigung
Nur ein einziges Gesicht! Beschämend.
Verzweigung
„Ich muss sagen, dieses 'Finale Subjekt' klingt für mich schwach und lahm.“
„Immer noch nicht überzeugt? Sieh dich um, sag mir, was sonst im Angebot ist.“
„Natürlich post-historischer Materialismus.“
„Eine Kleinkinder-Ideologie, immer an der Schwelle ihrer ersten Schritte und doch über ihre Ferse stolpernd.“
„Meinst du damit Frauen und Homosexuelle?“
„Habe ich einen persönlichen Nerv getroffen? Hoppla. Ich wollte eigentlich sagen, dass ich zutiefst der sozialen und politischen Gleichheit aller verpflichtet bin.“
Tatsächlich meinte er das nicht so.
Verzweigung
„Sieh's ein, Latour-Woolgar war ein schrecklicher Verrat an der Menschheit. Der Abschiedsbrief eines Jahrhunderts. Ohne ihn wäre vielleicht kein Erleuchtetes Imperium nötig gewesen, um den Schaden ungeschehen zu machen.“
„Natürlich kannst du nicht nur mit Selbstmord und der Philosophie der Geschichte führen. Dafür ist der Elektro-Pop da.“
Verzweigung
„Wir haben die Geschichte beendet, für den Fall, dass du dir dessen nicht bewusst warst.“
„Mit 'wir' meinst du deinen lieben Superbloc und seine Partei, diejenigen, die sagten, dass die Menschheit an der Schwelle der totalen Katastrophe stünden und von Jahrtausenden der Dunkelheit … bis sie einen Handel mit den Liberalen abgeschlossen haben.“
„Behalte dein reaktionäres Gerede für dich.“
„Habe ich einen ideologischen Nerv getroffen? Vergib mir, ich bin tatsächlich mega-hart für deine altersschwachen Überzeugungen.“
„Die Entwickelte Welt hat hier ein paar nette Sachen.“
„Hast du Vergnügen am Paradies des Konsums? Kein Wunder, wenn deine Meister dir nichts gegeben haben, für das du sterben würdest.“
„Es ist doch alles scheiße. Wir sollten die alten Glaubenssätze über Bord werfen und neu anfangen.“
„Mhm. Gib mir das unspezifische 'dritte Ding', das ohne Probleme und Kompromisse. Yum-yum.“
„Klingt cool. Techno-Faschismus ist die einzige Lösung.“
„Nicht nur du. Überall in der Welt 'erkranken' Millionen an der Realität des tragischen Zustands menschlicher Angelegenheiten.“
„In anderen Jahrhunderten wussten sogar Kommunisten, wie man träumt.“
„Dieses Finale Subjekt – wie wird es aussehen?“
„In solchen Toiletten hatte ich auch schon spaßige Zeiten.“
„Ich wette, dass du das hattest, Namenlose. Aber im Leben gibt es mehr als Spaß.“
Alternative Formulierung
„Ich wette, dass du das hattest, Hershel. Aber im Leben gibt es mehr als Spaß.“
„Das ist also das Projekt, das Ende der Geschichte rückgängig zu machen?“
„Wenn ich genauer darüber nachdenke, dann ist techno-faschistische Metaphysik nicht mein Ding.“
„Eine Schande, aber wie du willst.“
Verzweigung
„Ich will etwas davon hören, aber nur ironisch.“
„Natürlich. Ich werde es dir in einer unauffälligen, unmarkierten Tasche geben. Niemand wird je wissen, welche Gedanken dich beschäftigt haben, wenn niemand hinsieht.“
„Das ist mein Ding, Dante, gib mir diesen süßen, verbotenen Techno-Faschismus.“
Warum flieht er von La Luz?
Fast alle Überläufer lassen sich durch einen von vier Faktoren leiten.
Verzweigung
Gier.
Das lässt sich leicht ausschließen. Wenn es ihm ums Geld ginge, wäre er schon zu EMTERR übergelaufen.
Verzweigung
Nötigung.
Wohl kaum. Wenn es um Einflussmöglichkeiten gegangen wäre, hätte Tempo ihn nicht erst von der Begeisterung der Oper überzeugen müssen.
Alternative Formulierung
Wohl kaum. Wenn es um die Finanzkraft ginge, hätte Tempo keine Wohnungen mit roten Fliesen in der Altstadt von Novessa versprochen.
Ego.
Vielleicht eine Teilerklärung, aber keine vollständige. Hinter den Kulissen fühlt er sich wohler als davor.
Ernüchterung.
Der ironische Ton, die Ausflüchte, die Anspielungen auf Verfolgung. Zusammengenommen deuten sie darauf hin:
„Du glaubst nicht daran. Diese 'Endgültige Gesellschaft'. Anonimo. Irgendwas davon.“
„Was für eine Beleidigung. Ich bin ein treuer Diener von Facundo Reyes und des Ministeriums für Massenkultur. Nur wenige haben so viel gegeben wie ich.“
„Und doch bist du hier, in einem ausländischen Gefängnis, und bietest an, ihn zu verraten.“
„Das ist etwas zwischen Facundo und mir. Das kannst du nicht verstehen.“
„Dann hilf mir, es zu verstehen, wenn ich dir helfen soll.“
Das Schloss klickt und springt dann auf.
Ohne die dämpfende Ironie kannst du beinahe den Klang schwappendes Wasser hören.
„Ich habe dir bereits vom brillanten, obskuren Anonimo erzählt. Aber ich habe etwas Wichtiges ausgelassen, etwas, das sehr wenige außerhalb der Ministerien des Erleuchteten Imperiums wissen …“
„Weißt du, unser cleverer Held realisierte, dass, wenn er tatsächlich die Endgültige Gesellschaft erschaffen wollte, er erst die drei Ängste besiegen müsste.“
„Die drei Ängste. Die da wären?“
„Lo Incógnito – von Unwissenheit – er überwand sie durch Techno-Wissenschaft, die die Herrschaft des Menschen über die materielle Realität erweiterte. El Otro – das Andere – er überwand es durch allmächtige Staatskunst, die das Volk durch überwältigende Gewalt vereinte und reinigte. 'Sehr gut', sagten die Leute, 'mehr, mehr!'“
„Warte mal, das sagten die Leute wirklich?“
„Vielleicht, vielleicht nicht. Die 'Leute' in diesen Geschichten tun das, wofür sie da sind, und nichts sonst.“
SO WIE DIE MENSCHEN ANGETRIEBEN WERDEN, DEM STAAT ZU DIENEN, SO SOLLEN SIE ANGETRIEBEN WERDEN, DER GESCHICHTE ZU DIENEN. EIN SELTENER PUNKT DER ÜBEREINSTIMMUNG.
„Inzwischen war Anonimo sehr, sehr alt geworden. Damit blieb nur noch La Muerte – der Tod selbst, die größte Angst von allen – und Anonimo realisierte, dass er ihn nicht überwinden würde, bevor er es mit ihm tat. Also war er gezwungen, kreativ zu werden.“
„Und was tat er?“
„Die Schergen des Kaisers fanden einen Jungen – sogar in Anonimos kleinem Dorf – und sie machten sich an den Versuch, das Bewusstsein unseres Helden in die sich entwickelnde Psyche dieses frischen Kerls zu prägen.“
„Wie taten sie das, ganz ohne das Gerät?“
„Das waren die frühen Tage der Technologie. Tage der physischen und seelischen Folter, des Entzugs von Schlaf, alles, um die innere Stimme des Jungen zum Schweigen zu bringen und sie mit der von Anonimo zu ersetzen.“
„Einfach nur schrecklich.“
„Der erste Grundsatz der Techno-Wissenschaft: Der Schrecken ist nebensächlich. Die wahre Sünde ist das Scheitern.“
„Unser Junge verabschiedete sich durch ein Fenster. Also vergitterten die Schergen die Fenster und holten sich einen anderen Jungen. Der erhängte sich. Und so weiter und so weiter, bis eines Tages ein monotheistischer Mystiker aus Mirzäa Anonimo in die Prinzipien des geführten Schlafs einweihte …“
Das Motiv der Traum-Anweisung taucht regelmäßig in der mirzäischen Geschichte und Kultur auf, jüngst als ein Diät-Hype.
Verzweigung
Deine Mutter versuchte einst, ihre Brüste vom Hängen abzuhalten.
„Bald zog das Imperium heimlich Dutzende Jungen nach einem strikten System auf, das den Erinnerungen von Anonimos Tagebüchern entnommen worden war, und nachts wurden seine Theorien und Essays sanft in ihre Träume einmassiert, als handele es sich um rohen Teig.“
„Das klingt sehr traurig.“
„Keine Sorge, es wird sogar noch trauriger.“
„Bei den meisten klappte es auch nicht. Aber nicht bei allen.“
„Als der große Anomino schließlich den Löffel abgab, hinterließ er drei Prägungen, die er als passable Reproduktionen seiner selbst anerkannte. Aber auch sie sollten nicht das Ende der Geschichte erleben, selbst als eine neue Geist-Generation aus ihnen geprägt wurde. Und so weiter und so weiter.“
Während du seine Worte aufnimmst, dämmert es dir, dass er dich den ganzen Weg bis zum Rand einer großen Erkenntnis geführt hat.
Im Schaufenster eines 1-Stunden-Fotoladens sieht eine mittelalte Frau dem Faxgerät dabei zu, wie es ein Blatt Papier schluckt und dann sorgfältig wieder hervorwürgt. Einen Moment später kommt ein zweites Papier heraus, warm vom Laserstift des Geräts. Sie vergleicht die beiden Seiten mit tiefem Argwohn.
Fehltritte beim Tanz der Chromosomen, ohne die du und alle anderen immer noch Eiweiß wären, das in der Ursuppe herumschwappt.
„Die Prägungen. Sie driften weiter auseinander.“
Alternative Formulierung
„Ich habe Gerüchte gehört, dass die neuesten Prägungen ein 'Treueproblem' haben.“
„Ja. Nicht nur Facundo. Die gesamte Herrscherkaste des Erleuchteten Imperiums besteht aus einem einzigen verfallenden Verstand, der in einem brutalen Konflikt mit sich selbst ist.“
In seiner Stimme liegt eine gewisse Vorsicht. Selbst jetzt denkt er, dass das Weinende Auge auch Ohren haben könnte.
„Immer weiter verfeinerte Traum-Anleitungstechniken, MRT-Geräte und dissoziative Anästhetika können diese grundlegende Tatsache nicht abwenden. Mit jeder Generation gleicht Anonimo sich selbst immer weniger.“
Verzweigung
„Und wem gleichen sie dann?“
„Verzerrten Parodien. Böswilligen Imitationen. Manche Linien scheinen das Versprechen der Endgültigen Gesellschaft komplett vergessen zu haben. Sie träumen nur noch von der Geheimpolizei und unsichtbaren Flugzeugträgern.“
„Wie das Weinende Auge, meinst du?“
„Halt mich nicht für weichlich. Eine gesunde Gesellschaft braucht eine Geheimpolizei, um ihre unaussprechlichsten Wünsche zu verwirklichen. Aber Techno-Terror war nur ein Teil der Vision von Anomino. Tesoro scheint das vergessen zu haben.“
Verzweigung
„Klingt so, als wärst du kein Fan.“
Alternative Formulierung
„Richtig, du bist kein Fan.“
„Er hat jeglichen Verstand verloren, seit er besessen ist von Wahrsagen und alten Kartenspielen. Bete, dass du ihm nie begegnest.“
„Was ist mit dem Großen Lich, woran glaubt er?“
„Massenkultur. Die unbeschreibliche Melancholie luzianischen Elektro-Pops. Die wilde Originalität unserer Animationen, die Kinder in aller Welt in den Bann ziehen. EMTERRs törichte 'Kulturblockade' wird zusammenstürzen, weil das Unterbewusstsein danach verlangt.“
„Facundo ist die weitsichtigste Prägung seiner Generation. Außer ihm glaubte niemand an La Fábrica. Ohne ihn gäbe es keinen L-Pop, keinen kulturellen Sieg. Selbst jetzt werden ihm seine Rivalen für seine Weitsicht nicht vergeben.“
Verzweigung
Tesoro Buendia. Für die Operanten-Dienststelle ist er der Hundertäugige Golem. Für La Luz ist er der Anführer des Weinenden Auges.
„Du sprichst über den Hundertäugigen Golem.“
„Tesoro Buendia. Er hat jeglichen Verstand verloren, seit er besessen ist von Wahrsagen und alten Kartenspielen. Bete, dass du ihm nie begegnest.“
„Das ist wie die Ginkgos.“
„Ich würde sagen, dass Anonimos Prägungen eine grausame Parodie des Ginkgo-Wunders sind.“
Eine dringende Frage steigt in deinem Bewusstsein auf.
„Warte mal, machen sich die Prägungen auch mal gegenseitig an?“
„Gute Frage, auch wenn sie dieselbe Frage hervorbringt: Wenn Aspekte desselben Ichs miteinander Verkehr haben, wäre das dann eine Form von Inzest oder einfach nur Masturbation?“
„Ich muss darüber nachdenken.“
„Nein, musst du nicht. Das ist dümmlich-faules Geschwafel. Nicht nötig, das zum Ziel eines mehrtägigen Recherche-Bemühens zu machen. Lerne aus den Fehlern eines alten Mannes.“
„Was ist denn der Sinn des Geräts?“
„Du kannst dir das Versprechen vorstellen: Weniger Verschlechterung und Abweichung, ohne die menschlichen Kosten der alten Methoden. Ein echte Techno-Lösung der Dritten Angst, unsere beste Chance, das finale Subjekt zu schaffen.“
„Nur, dass es nicht so gut funktioniert.“
„Nein, der brennende Horizont zieht sich in weitere Entfernung zurück.“
Verzweigung
„Was machst du, wenn ich dich raushole?“ (Abschließen.)
Er scheint, eine Weile darüber nachzudenken.
„Ich bin mir nicht sicher. Ich weiß nur, dass ich die strahlende Techno-Zukunft nicht sehe, wenn ich meine Augen schließe.“
„Und was siehst du dann?“
„Ein kleines Dorf an einer Küste. Eine wunderschöne Frau, die Bandoneon spielt. Üppige Mengen Fisch, die von Männern in Röcken aus dem Wasser gezogen und direkt am Strand über Kohle gegrillt werden, der eigene Geschmack nur mit schwarzen Stückchen ihres eigenen verkohlten Fleisches und einem Spritzer Zitrone verfeinert.“
EINE VISION DES HYPERKITSCH, DER POLITISCH, MORALISCH UND ÄSTHETISCH WIDERSTANDEN WERDEN MUSS.
„Existiert dieser Ort überhaupt?“
„Das tut er. Das muss er. Ich habe Bilder davon in einem geographischen Magazin gesehen.“
„Und das war's? Du wirst nach einem Ort suchen, den du einmal in einem Magazin gesehen hast?“
„Du sagst das, als wäre es dumm. Willst du dem armen Dante seinen Traum wegnehmen?“
Alternative Formulierung
„Du sagst das, als wäre es dumm. Willst du einem armen politischen Gefangenen seinen Traum wegnehmen?“
„Selbst wenn ich es niemals schaffen würde, klingt ein Tod auf dem Weg dorthin erheblich besser, als darauf zu warten, dass unsere gemeinsamen Antagonisten Facundos Plan aus meinem Hirn prügeln.“
„Warum verrätst du mir nicht den Plan des Lichs, nur um sicher zu gehen?“
„Netter Versuch, Namenlose. Aber nein, ich will meine Geheimnisse dort behalten, wo sie sind. Wenn ich sie teilen soll, dann musst du mich hier rausbringen.“
Alternative Formulierung
„Netter Versuch, Hershel. Aber nein, ich will meine Geheimnisse dort behalten, wo sie sind. Wenn ich sie teilen soll, dann musst du mich hier rausbringen.“
Verzweigung
„Schluss damit, neues Thema.“
„Natürlich. Wie du willst.“
„Klingt gut. Schön für dich.“
„Ich glaube dir nicht.“
„Das musst du auch nicht. Du musst nur glauben, dass unsere gemeinsamen Antagonisten Facundos Plan noch nicht aus meinem Hirn geprügelt haben.“
„Ich muss darüber nicht nachdenken.“
„Definitiv nicht. Niemand tut das. Es war nur ein dummes Hirngespinst, um die Leere in der Konversation zu füllen.“
„Ich habe gehört, dass ihr alle inzüchtig wart.“
„Wäre vielleicht gesünder gewesen. Der Geist verabscheut alles, das an seine eigene Unoriginalität erinnert. Geschwistermord ist die Norm, auch wenn es ebenso exakt wäre, in diesem Fall von Selbstmord zu sprechen. Ich bin kein Philosoph.“
„Und jede dieser Linien behauptet von sich, der echte Anonimo zu sein.“
„Ding-ding. Der Geist verabscheut alles, das an seine eigene Unoriginalität erinnert. Geschwistermord ist die Norm, auch wenn es ebenso exakt wäre, in diesem Fall von Selbstmord zu sprechen. Ich bin kein Philosoph.“
„Und …?“
„Hat es funktioniert?“
„Und die Dritte Angst?“
„Warum verfolgt dich das Weinende Auge?“
„Weil es in mein Inneres geblickt hat und nicht mochte, was es sah. Weil ich weiß, was es wirklich ist. Du kannst das nicht verstehen.“
Verzweigung
Wenn du das wüsstest, wüsstest du es.
Verzweigung
Verzweigung
Du weißt es zwar noch nicht, aber du kannst dir ja einen weiteren amüsanten Skandal ausdenken, wenn du willst.
Verzweigung
Ich würde ihn wegen Vernachlässigung anklagen.
Welches der technokulturellen Güter des Staates soll er deiner Meinung nach vernachlässigen?
Die geheimen Produktionsmethoden von La Fábrica.
Das Geheimnis, des kulturellen Sieges seinen melancholischen Biss verleiht. Jetzt müssen sie nur noch „verlegt“ werden.
Die Herrentoiletten eines internationalen Flughafens.
Verzweigung
Niemand, der die Geheimnisse des L-Pop in feindliche Hände fallen lässt, hätte danach noch die Gelegenheit, sich abzusetzen. Man würde ihn auf der Stelle ausschalten.
Über dem Meer von Noscorrentes aus einem Helikopter geworfen.
Verzweigung
Trotzdem weißt du immer noch nicht, warum er eigentlich abhauen will. Vielleicht wirst du es nie erfahren.
Verzweigung
Welchen Unterschied macht das schon? Das ist ja nicht wirklich passiert, es ist nur eine Geschichte, die du dir ausgedacht hast.
Verzweigung
Dann hätte das Weinende Auge immerhin einen Grund, publikumswirksam ein paar Schädel zu knacken.
MANCHMAL BRAUCHT ES EINE DEMONSTRATION ROHER MACHT FÜR DAS VOLK. ZU DESSEN EIGENEM WOHL.
Ein kleiner Patzer, aber der lässt sich ohne größere Probleme vertuschen. Das ist nichts, wofür man einen treuen Untergebenen an die Wand stellt.
Die Lobby eines Luxushotels in einem kürzlich eingenommenen Gebiet.
Verzweigung
Verzweigung
Die Kombination aus Jugend und Tod ist für jeden Faschisten ein mächtiges Symbol. Wenn überhaupt würde man ihn befördern.
Aufnahmen des Ereignisses würden zu begehrten Sammelgegenständen für bestimmte, regimenahe Kreise werden.
Die Kombination aus Jugend und Tod ist für jeden Faschisten ein mächtiges Symbol. Der einzige „Skandal“ bestünde darin, dass das Ereignis nicht öffentlichkeitswirksamer war.
Das private Anwesen eines treuen Verbündeten des Regimes.
Der hintere Bereich eines herbestellten Taxis in Landau.
Der oberste Markenbotschafter für Sacrophobe-Dienstkleidung.
Ein Botschafter der Techno-Zukunft. Wo wurde dieser VIP zuletzt gesehen?
Ein staatsnahes Fernsehprogramm.
Eine verfrüht zugestellte Lieferung noch nicht veröffentlichter Wolfsbecher.
So etwas löst auf dem sekundären Markt wilde Spekulationen aus. Jetzt müsste sie nur noch jemand 'verlegen'.
Acht Kilo Kokain von bester Qualität.
Die von allen faschistischen Untergruppen bevorzugten Stimulanzien. Wo wurde wohl der Treibstoff für den Techno-Jet 'fälschlicherweise' eingelagert?
Die Büros der faschistischen Schreibergilde.
Der Techno-Faschismus ist eine Ideologie des Klangs und der Bilder. Niemand schert sich einen feuchten Kehricht darum, was die Schreiberlinge verzapfen.
Wir sollten ihn wegen des Staatsverrats beschuldigen.
Das hier riecht nach Unvermögen, nicht nach Hochverrat. Wodurch könnte man sich zum Mittelpunkt einer Kontroverse machen?
Die Darstellungen an der Wand deuten den weiblichen Orgasmus an.
Formal überzogen und ideologisch unrein. Das könnte man nur in höchst fragwürdigen Umgebungen ausstellen.
Eine Gang von anti-faschistischen Staatsfeinden.
Sie sollen sicher eine 'Besetzung' simulieren. Was meinst du, welche Institution sollten sie einnehmen?
Ein offener Brief mit den Unterschriften von liberalen 'Menschenrechtsaktivisten'.
Vermutlich wurde zugelassen, dass die unzensierte Version vorgetragen wird. Wahrscheinlich in einem für das Regime möglichst peinlichen Rahmen.
Eine Massenversammlung in Cicatriz Frontera.
Ein Massen-Selbstmord minderjähriger Ultras.
Und wo würde sich ein so groteskes Spektakel ereignen?
Wo wir gerade dabei sind: Was ist der eigentliche Grund?
Verzweigung
Wenn du das wüsstest, wüsstest du es.
Verzweigung
Du hast keine Ahnung. Seine Vergangenheit und seine Beweggründe sind dir ein Rätsel.
Die luzianische Bürokratie ist nur ein Haufen durchgeknallten Psycho-Terrors. Wahrscheinlich ist er durch einen von seinen Rivalen herbeigeführten öffentlichen Skandal sozial in Ungnade gefallen.
Aber was für ein Skandal?
Wer weiß? Es gibt dutzende Mittel und Wege, so etwas herbeizuführen. Du könntest dir auf der Stelle was ausdenken.
„Ich muss gehen.“ [Du legst auf.]
Alternative Formulierung
„Ich muss gehen, Dante.“ [Du legst auf.]
Verzweigung
„Vergiss mich nicht, meine Liebe.“
Alternative Formulierung
„Vergiss mich nicht, Hershel.“
Alternative Formulierung
„Vergiss mich nicht, CASCADE.“
Verzweigung
Verzweigung
„Mmm.“
Verzweigung
„Wirst du wieder anrufen?“
Er formuliert das, als würde er dich nächste Woche zum Tee einladen. Seine Verzweiflung bleibt nicht verborgen.
„Ich werde sicher einen anderen Grund finden, dich auszuquetschen.“
„Da bin ich mir sicher, ich freue mich darauf.“
„Pass auf dich, meine Liebe.“
Alternative Formulierung
„Pass auf dich, Hershel.“
Alternative Formulierung
„Pass auf dich, CASCADE.“
Verzweigung
„Nein, ich denke nicht, dass ich das tun werde.“
Stille rauscht und knistert für einen langen Moment am anderen Ende der Leitung.
„Ich werde dich dort nicht alleine lassen.“
„Das … weiß ich zu schätzen.“
„Ich frage mich langsam, ob ich meine Freilassung erleben werde. Ich würde es hassen, wenn all meine wertvollen Geheimnisse mit mir sterben, ungeteilt mit der Oper.“
„Mmm. Hallo, Namenlose.“
Alternative Formulierung
„Mmm. Hallo, Hershel.“
Silben – verstümmelt. Etwas in seinem Mund?
„Störe ich?“
„Keine Störung. Ich denke nur gerade an das Verspeisen einer gebratenen Gans.“
„Und es … gefällt dir?“
„Wenn wahre Freiheit unmöglich ist, dann ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis äußerst gering. Ich kann ihr perfekt ausgelassenes Fett förmlich schmecken. Es zergeht in meinem Mund.“
„Der Mensch lebt vom Grauen. Es geht alles zurück auf das Essen von Fleisch.“ Er hält in seinem imaginären Kauen inne. „Ab dem Moment, an dem du deinen Gegner zu einem Tier machst, kann er ohne Schuld getötet und verspeist werden.“
„Ich habe beim Verschlingen meiner Feinde nie Schuld verspürt.“
„Und warum solltest du das auch? Das ist einfach bürgerliche Moral. Die Leugnung der Natur. Wahrlich traurig.“
„Doch ich denke nicht, dass du nur angerufen hast, um dich mit mir über mein eingebildetes Mahl zu unterhalten.“ Er macht ein Geräusch, als würde er etwas hinunterschlucken. „Ich muss um einen Gefallen bitten, wenn du die Güte hättest.“
„Ich esse kein Fleisch.“
„In den Kerkern des Erleuchteten Imperiums ginge es dir gut, mit Heuschrecken- und Moskito-Kuchen.“
„Wer sind deine Feinde?“
„Wenn ich sie in eine Reihenfolge bringen müsste: Das mich schikanierende Weinende Auge, gefolgt von meinen Kerkermeistern mit ihren ermüdenden Fragen und verlogenen Angeboten, und irgendwo darunter dein alter Freund Tempo del Sur, ohne den ich nicht hier wäre.“
„Doch ich denke nicht, dass du nur angerufen hast, um einen alten Mann über seine Feinde lamentieren zu hören.“ Er macht ein Geräusch, als schlucke er etwas hinunter. „Ich muss um einen Gefallen bitten, wenn du die Güte hättest.“
Du sagst nichts.
„Klingt köstlich.“
„Oder? Wenn wahre Freiheit unmöglich ist, dann ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis äußerst gering. Ich kann ihr perfekt ausgelassenes Fett förmlich schmecken. Es zergeht in meinem Mund.“
„Klingt furchtbar.“
„Wie geht es dir, Dante?“
Alternative Formulierung
„Wie geht's?“
„Gut, gut. Ich denke nur gerade an das Verspeisen einer gebratenen Gans.“
„… ja? Was willst … warte …“
„Wer ist da? Ich kann dich nicht sehen. Oder haben sich meine Augen endgültig von ihrer Funktion losgesagt?“
„Ich bin's, deine Freundin aus der Oper.“
Alternative Formulierung
„Ich bin's, Hershel.“
Verzweigung
„Ah, du bist zurück. Und du hast eine Möglichkeit ausgeklügelt, mit mir über dieses Kästchen zu sprechen. Sehr schön.“
„Was willst du?“
„Ah, du bist es. Ich war mir sicher, dass du tot bist.“
„Ich bin noch genug am Leben.“
„Vermutlich. Und du hast eine Möglichkeit ausgeklügelt, mit mir über dieses Kästchen zu sprechen. Sehr schön.“
„Ich bin tot. Dies ist der Geist des post-historischen Materialismus. Hier, um deiner Scheiße hinterherzuspuken.“
„Und in deinem Nachleben hast du eine Möglichkeit ausgeklügelt, mit mir über dieses Kästchen zu sprechen. Sehr schön.“
„Buh.“
Verzweigung
Die schwere Stahltür hat ein einziges kleines Fenster. Daneben befindet sich eine weitere brandneue Sprechanlage, wie die oben.
Wie alles, was in dieser Stadt spricht, ist sie mit dem blauen Renotel-Logo verziert.
Verzweigung
Du spähst durch das Fenster.
Starke Kondensation verdeckt die Sicht durch die Glasschichten. Hier, im Reich der Schatten und Flecken, ist nichts zu sehen.
Verzweigung
Du klopfst an die Tür.
Deine Faust macht kaum ein Geräusch auf dem dicken, verstärkten Metall.
Plötzlich, so leise, dass es fast Einbildung zu sein scheint, antwortet ein dumpfes Klopfen von der anderen Seite.
Er ist hier. Der Gefangene.
Ein Kribbeln läuft dir den Rücken hinunter. Das Gefühl, dass sich Dinge zusammenfügen.
Verzweigung
Das klingt nicht nach jemandem, der frei ist zu gehen.
Verzweigung
Du drückst auf den Knopf der Sprechanlage. (Weiter.)
Du hörst ein kurzes statisches Knistern. Es verklingt und hinterlässt das Umgebungsgeräusch eines anderen Raums.
„Hallo?“
Du hältst dein Ohr an das Kästchen, Elektrizität knistert deine Gehörknöchelchen entlang. Irgendwo in der verstärkten Quasi-Stille ist ein entferntes Rascheln zu hören, vielleicht Atmen.
Verzweigung
„Hört auf, an meine Tür zu hämmern. Werdet ihr Leute denn niemals müde?“ Die Stimme ist auf einmal rau und brüchig.
„Ich bin unglaublich müde.“
„Oh? Ein neuer Wärter heute?“ Eine Pause. „Hmmm, durch dieses kleine Guckloch kann ich dich kaum sehen.“
„Durch dieses Ding kannst du einen Scheiß sehen.“
„Nein, aber es geht auch ohne. Hast du einen Namen?“
„Du kannst mich CASCADE nennen.“
„Das ist kein Name. Das ist die Unwahrheit.“
„Ich heiße Hershel.“
„Hershel, sehr gut.“
Verzweigung
Du hast bereits einen Namen für ihn, auch wenn es höchst wahrscheinlich ein falscher ist.
„Und du bist 'Dante', wenn man deinen Ausreisepapieren glauben darf.“
„Beeindruckend. Allerdings würde ich sagen, dass unter den aktuellen Umständen 'Armer Dante' passender wäre.“
Der Umriss beginnt zu wogen mit Farben, Gesten, Tönen. Die Eingeweide von Stimme und Name.
Verzweigung
„Hallo Dante.“
„Hallo, o Namenlose.“
Alternative Formulierung
„Hallo CASCADE.“
Alternative Formulierung
„Hallo Hershel. Wie geht es dir da drin?“
Verzweigung
„Ich bin von der Oper, und du musst Tempo del Surs 'gut vernetzter Freund' sein.“
Du kannst beinahe spüren, wie der Techniker oben im Gebälk den Scheinwerfer deinen Schritten folgen lässt.
Verzweigung
Wo ist diese 'Redakteurin'? Wann lässt sie die Falle zuschnappen?
Es gibt kein Zurück, also immer nach vorn. Der Deal. Du bist wegen des Deals hier.
Eine statische Welle kracht über die Leitung.
Verzweigung
„Wie ich sagte, wir werden niemals müde.“
„Das ist gut für dich. Ob es gut für mich ist, muss sich erst noch herausstellen.“
Verzweigung
„Was macht ein alter luzianischer Mann in einem geheimen EMTERR-Gefängnis?“
Alternative Formulierung
„Was macht der arme Dante in einem geheimen EMTERR-Gefängnis?“
„Kurz und knapp: Ich führte ein Gespräch über eines dieser fürchterlichen öffentlichen Telefone, als zwei Männer mich barsch in ein Tuk-Tuk steckten, mit einem rauen Sack über meinem Kopf.“
„Bald darauf fand ich mich in dieser nassen Hölle wieder.“
„So haben sie auch mich gekriegt. Das ganze Tuk-Tuk-Programm.“
„So ungehobelt wie fantasielos. Für eine Entität, die sich der 'regelbasierten Ordnung' verschrieben hat, scheint EMTERR ziemlich nachlässig in ihrer Anwendung …“
Verzweigung
„Wo sind wir? Ich habe nie herausgefunden, wofür dieses Gebäude genutzt wurde.“
„Auf jeden Fall eine einfache Fassade. Darauf ausgerichtet, Leute wie dich abzulenken.“
„Du befindest dich tatsächlich unter den Büros eines Literaturmagazins.“
„Das hätte ich mir denken können. Für eine Entität, die sich dem 'menschlichen Gedeihen' verschrieben hat, scheint EMTERR dem Zustand tatsächlicher Menschen gegenüber gleichgültig zu sein. Wie liberal.“
„Wie lange bist du schon hier?“
„Schwer zu sagen bei dem Mangel an Tageslicht und den unregelmäßigen Befragungen …“
„Aber wenn ich diesen Austausch nicht halluziniere, dann glaube ich nicht, dass ich bereits geisteskrank geworden bin. Ich würde sagen, mehr als ein paar Tage, aber weniger als eine Woche.“
„Wer hält dich hier fest, das Weinende Auge?“
„Das Weinende Auge? Wenn du denkst, dass ich von meinen eigenen Techno-Kameraden festgehalten werden, dann bist du in etwas hineingestolpert, das weit über deine Vorstellungskraft hinausgeht. Ich bin beeindruckt – und erschüttert.“
„Was mittlerweile klar geworden sein sollte, ist, dass ich von unseren gemeinsamen Antagonisten von EMTERR gefangen gehalten werde.“
Verzweigung
Etwas, das du wahrscheinlich vorher schon herausgefunden haben solltest.
„Wie sollte ich das wissen?“
„Dumme Frage. Ich würde sagen, dass die Beschaffung geheimen Wissens dein Geschäft ist, nicht meines.“
Verzweigung
„Ich stürze mich wahllos auf alle Feinde.“
„Welch Glück für mich, vielleicht kann ich dich zu meiner fahrenden Spionin machen.“
„Ich wollte das nur prüfen. Das war ein Test für dich.“
„Um meinetwillen hoffe ich, dass ich ihn bestanden habe.“
EMTERR, alias L'Empire sans Territoire, alias 'die Bank'. Zu gleichen Teilen internationaler Entwicklungsfonds und Geheimdienst. Der Dreh- und Angelpunkt der Entwickelten Welt.
DIE BLUTIGE HAND DES INTERNATIONALEN KAPITALS.
„Woher kennst du Tempo?“
„Man könnte sagen, wir sind beide Diener der Kultur. Das Ministerium hält Beziehungen mit einer Reihe von Männern wie deinem unglücklichen Freund aufrecht.“
„Schmuggler und Fälscher?“
„Verbündete gegen EMTERRs lächerliche 'Kulturblockade'.“
Verzweigung
„Spione des Volkes?“
„Coole Freunde von mir, meinst du.“
„Klar, belassen wir's dabei.“
„Tempo ist tot, von seinen Feinden umgebracht. Was sagst du dazu?“
„Bu-hu-hu, das sage ich dazu.“
„Hast du eine Vorstellung, was ihm passiert sein könnte?“
„Ich habe nicht die geringste Ahnung. Sein Schicksal interessiert mich nicht mehr.“
„Klingt, als hättest du etwas mit ihm zu tun gehabt.“
„Fälschlicherweise von einem Feind eingesperrt, damit mich ein anderer falsch beschuldigen kann. Ich bin offenbar das Sexspielzeug des Schicksals.“
Seine schäumende Wut scheint echt zu sein. Nichts, was in seiner Stimme falsch klänge.
„Ich habe Tempo del Sur nicht getötet, wenn Deneb mir allerdings die Chance gäbe, zurückzugehen, würde ich das sicherlich tun.“
Verzweigung
„Für mich war er ein Freund, du Penner.“
„Schön für dich, für mich war er ein Verräter.“
In uns sind viele.
Verzweigung
„Ich dachte bloß, dass du das gern wüsstest.“
„Danke für das Update.“
„Ich hörte, dass du und Tempo eine Art 'großen Deal' am Laufen hattet. Erzähl mir davon.“ (Weiter.)
Für einen Augenblick sagt niemand etwas. Grünes Wasser schwappt um deine Füße.
„Tempo hat mir versichert, dass die Oper begeistert von den Bedingungen wäre, trotz der damit verbundenen Risiken. Willst du mir sagen, dass das nicht der Fall war?“
Da ist er, der Neben-Deal. Möglicherweise einer von mehreren.
Hier könnte es noch eine andere Perspektive geben. Es kann sein, dass TAXMAN plante, seinen neuen Freund bei erster Gelegenheit zu hintergehen.
„Hör zu, die Oper ist nicht bekannt für ihre Unterstützung und Anleitung.“
„Ich fange an, zu glauben, dass ich mich auf die Seite der falschen Ideologie geschlagen habe.“ Er entlässt ein langes, knarziges Seufzen. „Nun gut.“
„Ich habe Tempo del Sur ein extrem seltenes Gerät beschafft. Das einzige seiner Art außerhalb des Erleuchteten Imperiums.“
Verzweigung
Verzweigung
Halt mal. Eine Diskrepanz, wie eine falsche Note.
'Extrem selten'. Armhaare stellen sich auf.
Verzweigung
„Halt mal. Tempo hat das Gerät nie erhalten.“
„Natürlich hat er das. Ich habe es in meinem eigenen Diplomatenkoffer aus dem Imperium herausgeschmuggelt. Unser 'Freund' beharrte sehr hartnäckig auf diesem Punkt: Seine Seite zuerst.“
Ein Detail, das das Mädchen Yana praktischerweise ausgespart hat. Du musst sie damit konfrontieren.
„Aber sag mir – wenn Tempo nicht mehr ist, was ist dann aus seinem extrem seltenen Gerät geworden?“
„Möglicherweise ist es in die Hände eines sehr missmutigen Teenagers geraten.“
„Teenager. Gleichermaßen passend wie erschreckend.“
„Nicht dass das jetzt gerade von Belang für mich wäre, aber ich würde so eine Sache nicht unerklärt lassen.“
Verzweigung
„Ich habe keine Ahnung.“
Das Mädchen Yana enthält dir geheiligte luzianische Artefakte vor! Das geht so nicht.
„Was ist dieses 'seltene' Gerät genau?“
Alternative Formulierung
„Dieses Gerät, würdest du es als einen 'Mega-Schänder' beschreiben?“
„Es handelt sich um ein neues Raubkopie-Gerät. Passend zu Tempos Neigung, würde ich sagen.“
Alternative Formulierung
„So würde ich das nennen, ja.“ Ein langer Seufzer. „Ich sagte ihm, dass er es nicht wiederholen soll. Es ist ein Prototyp eines neuen Geräts zum Anfertigen von Raubkopien.“
„Ich würde dir alles darüber erzählen, aber es ist wirklich am besten, wenn du es dir selbst ansiehst.“
Verzweigung
„Welche Gesetze verletzt es?“
„Nicht viele. Nur die großen.“
Verzweigung
„Und im Gegenzug hast du deine Ausreisepapiere für dieses ungewöhnliche Gerät erhalten. Sieht es so aus?“ (Weiter.)
„Es ist nicht leicht, das Erleuchtete Imperium zu verlassen. Tempo versprach, dass er bestimmte Gefallen einfordern würde. Ach, doch nur einer von uns beiden bekam, was wir ausgehandelt hatten.“
„Warum bist du so versessen darauf, aus La Luz zu verschwinden?“
„Ach bitte, meine Socken sind durchnässt. Die Sohlen meiner Füße sind total verschrumpelt. Ich will hier raus, bevor meine Zehen sich schwarz färben. Lassen wir deine Meister nicht warten.“
„Ich bin auf der Suche nach Vergebung. Kannst du mich lossprechen, alter Mann?“
Alternative Formulierung
„Ich bin auf der Suche nach Vergebung. Kannst du mich lossprechen, Dante?“
„Das Erleuchtete Imperium hat es nicht so mit 'Vergebung'. Bei uns geht es mehr um die gewaltsame Neuordnung der Realität. Unterschiedliche Wertesysteme.“
„Es gibt da ein Ritual, das gerade stattfindet, Namenlose. Eines, in dem du wohl eine wichtige Rolle spielst. Bald wird… Warte …“
Alternative Formulierung
„Es gibt da ein Ritual, das gerade stattfindet, Hershel. Eines, in dem du wohl eine wichtige Rolle spielst. Bald wird… Warte …“
Die Verbindung rauscht und verstummt.
Verzweigung
Klingt es so, wenn eine Falle zuschnappt?
Du suchst nach einem Ausweg.
Es gibt keinen. Du bist jetzt erstmal hier.
„Hallo?“
Die Verbindung besteht weiterhin, aber es kommt keine Antwort.
Nichts als der leere Raum, den er einst verunstaltet hat.
Von oben kommt kein Bewegungsgeräusch, nur ein Tropfen ist zu hören.
Du hörst zu.
Tropf-tropf. Tropf-tropf.
„Hallo … ?“
Alternative Formulierung
„Hallo … ?“
Alternative Formulierung
„Dante …?“
Verzweigung
. . . . .
. . . . .
„Entschuldige.“ Er scheint, gerade zu Atem zu kommen. „Ich musste mich um eine persönliche Angelegenheit kümmern.“
„Worum ging es?“
„Eine große Ratte, die über den Boden meiner Zelle geschwommen ist. Normalerweise ist es nicht so schwer, sie zu ersäufen, aber die hier war ziemlich schmierig.“
„Das 'Ritual'. Was ist das?“
Alternative Formulierung
„Das 'Ritual', Dante. Was ist das?“
„Richtig. Der Grund, warum du hier bist. Ähem. In diesem Moment ist ein sehr wichtiger Mann auf dem Weg nach Portofiro. Sein Name ist Facundo Reyes.“
Verzweigung
Verzweigung
An deiner Schädelbasis spürst du ein Kitzeln in deinem Stammhirn.
Wer ist Facundo Reyes?
Minister für Massenkultur in La Luz. Politischer Theoretiker. Vermutlicher Kriegsverbrecher. Der Kopf hinter dem schnellen kulturellen Aufstieg von La Luz.
Aber wie groß ist die luzianische Massenkultur wirklich?
Zum diesjährigen Stand stammen 26 % aller Medieninhalte aus Quellen mit einer Verbindung nach Luz. Wöchentliche Kleidungsausfuhr von La Luz in die Entwickelte Welt: 1,5 Millionen Tonnen.
Was wissen wir noch über diesen Mann?
Geschätztes Alter: Mitte 70. Bekannte Fotos: 0. Zwar ist sein Einfluss gewaltig, aber Reyes selbst ist eine harte Nuss, die bisher allen Versuchen, sie zu knacken, standgehalten hat.
HALBERD: Ausgeschaltet, 71. [ZENSIERT]: Zur 'Null-Persona' ernannt, 74. SEDIMENT: Ausgeschaltet, 76. VAPOUR: Verschwunden, 81. COMFORT: Ausgeschaltet, 86.
Wie alle großen Feinde der Oper wird auch Facundo Reyes in erster Linie mit seinem Beinamen genannt:
„Der Große Lich des Techno-Faschismus.“
„Für seine Freunde ist er immer noch 'Facundo'.“
„Wir haben die coolsten Namen.“
„'Cool' ist für das luzianische Denken ein fremdes Konzept. Eine bürgerliche Umwertung dessen, was allgemein als erbärmlich und unwürdig anerkannt ist.“
„Aber dann bin ich selbst erbärmlich und unwürdig geworden, also vielleicht bin ich auch 'cool'.“
„Namen sind sowieso überflüssig.“
„Sie kommen und gehen so leicht bei deiner Arbeit. Ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist, sie sich alle zu merken.“
Alternative Formulierung
„So hat sich das etabliert.“
Alternative Formulierung
„Besonders, wenn es sich nicht mal um Namen handelt, 'CASCADE'.“
„Was bringt deinen 'Großen Lich' nach Portofiro?“ (Weiter.)
„Geheime Abkommen, Belange der Massenkultur, die allesamt mit unseren gemeinsamen Antagonisten diskutiert werden wollen. Amüsant, aber leider weit über deinem Niveau.“
DER BANKER UND DER GEHEIMPOLIZIST IN LEIDENSCHAFTLICHER, ZUNGENLASTIGER UMARMUNG. DER MAGEN DES VOLKES DREHT SICH UM.
Genug geredet. Du solltest von hier verschwinden, solange du noch kannst.
Verzweigung
„Moment mal, warum würde EMTERR ihren eigenen Verhandlungspartner einsperren?“
„Ich fragte dasselbe und erhielt dafür einen Stromschlag an meinem Hodensack. Jetzt stelle ich keine Fragen mehr, sondern versuche, mich mit mir selbst zu begnügen.“
Du kannst das übelriechende Wasser, das über seine Füße schwappt, förmlich hören.
„Hat das irgendwas mit diesem verschwundenen Popstar zu tun?“
„Verschwundener Popstar … Was meinst du?“
Eine Veränderung seiner Stimmlage. Kaum verhohlene Sorge.
„Ultra Violeta, ist das nicht ihr Name?“
„Ultra Violeta … ist verschwunden.“ Er macht eine Pause. „Das ist ernst, sehr ernst. Ein unschätzbarer Schlag für die Menschheit …“
„Alle Mädchen hier wollen sich wie sie kleiden.“
„Natürlich wollen sie das. Mehr Menschen sollten sich derart komplett einem höheren Wesen überlassen.“
Unter seinem Reden nimmst du einen Anflug von Melancholie wahr, einen Schatten auf der Oberfläche des Spiegels.
Zwanzig Etagen unter der Oberfläche von Novessa stürmt das Klackern zweckmäßiger Absätze im Laufschritt einen langen Gang entlang. Auf dem Schreibtisch eines hochrangigen Opern-Offiziellen blinkt ein bernsteinfarbenes Licht.
Ein Zittern elektromagnetischer Interferenz.
„Eine Frage noch, bevor du zu deinen Meistern zurückeilst. Wirst du mich zum Superbloc eskortieren? Oder sollte ich…“
Was wie ein Einatmen begonnen haben mag, verwandelt sich in ein statisches Brüllen, das den Klangraum erfüllt.
Inmitten des heftigen Summens schwankender elektrischer Signale spürst du die Gegenwart naher Stromleitungen, Servomotoren und Funksender.
Deine Augen beginnen zu brennen. Ein unangenehmer Geschmack sammelt sich hinten in deinem Mund … Petroleum?
Du hörst weiter zu.
Der Ozean aus Statik erstickt die Luft um dich herum. Wenn sich darin etwas Menschliches befindet, ist es zu weit entfernt, um gehört zu werden.
Schritte – direkt über dir. Sie kommen in diese Richtung.
Verzweigung
Verschwinde. Sofort!
Verzweigung
Du verschwindest spurlos.
Du hörst, wie sich die Tür im Obergeschoss öffnet, während du zum Ausgang stürmst.
Hinter dir beginnt die elektronische Stimme der Sprechanlage erneut zu knistern. Jemand tritt auf den Treppenabsatz oben hinaus …
… Aber du hast dich bereits in Luft aufgelöst.
Verzweigung
Selbst als du dich umdrehst, weißt du, dass es schon zu spät ist. Du hörst es nicht wirklich, aber ein anderer Sinn setzt ein, nur einen Augenblick bevor das Klicken der Tür zu hören ist.
Verzweigung
In der offenen Tür steht die Redakteurin. Du kannst gerade noch den Glanz ihres roten Stifts erkennen, den sie wie einen Dolch in die Höhe hält.
Verzweigung
„Ich habe beschlossen, dass ich nicht bearbeitbar bin!“ (Du läufst los.)
Kalte Flüssigkeit packt deine Schritte wie nasse Hände, während du auf deine einzige Hoffnung auf Flucht zuläufst.
Wir stecken in der Sackgasse. Die Gäng lässt grüßen!
Taktischer Fehlschlag – halte dir immer einen sauberen Abgang offen.
Ein Knacken unter der Wasseroberfläche – dann greift sich jemand deine Knöchel, dann deinen ganzen Körper, und die Welt wird schwarz.
Verzweigung
Du sagst nichts. Du läufst einfach.
„Keller sieht in Ordnung aus, Bericht folgt!“ (Du läufst los.)
In der Tür steht eine dünne Frau, die du noch nie gesehen hast. Du kannst gerade noch den Glanz des roten Stiftes erkennen, den sie wie einen Dolch in die Höhe hält.
Du suchst nach einem Versteck.
In der tiefroten Dunkelheit des Raumes ist es schwer, etwas zu erkennen. Du musst dich konzentrieren.
Verzweigung
Was ist auf der linken Seite?
Stillgelegte Bürogeräte, die zusammen mit verschiedenen Verpackungskisten – aus Plastik und Pappe – in einem unordentlichen Haufen gestapelt sind und langsam das Hochwasser aufsaugen.
Kann ich mich dort verstecken?
Es wäre schwierig, sich dort hineinzukauern und sich so zu verstecken, dass man nicht gesehen werden kann. Aber es wäre möglich.
Du versuchst es.
In der halben Sekunde, bevor du dich bewegst, wird sämtliche Luft aus dem Raum gesogen.
Verzweigung
Du suchst woanders.
Verzweigung
Auf der rechten Seite?
In der hinteren Ecke des Raumes stehen nur durchnässte Kartons mit Papierakten. Dort gibt es nicht genug Masse, um dich vollständig zu verstecken.
Hinter mir?
Verzweigung
Eine offene Tür, durch die du hereingekommen bist und von der du weißt, dass sie einen direkten Weg nach draußen bietet.
Du läufst los!
Ich bin zu spät, oder?
Die ganze Schwere deiner Lage dämmert dir in dem Augenblick, bevor die Türe klickt.
Eingeklemmt. Nicht einmal ein Schatten, unter dem man sich verstecken könnte.
Eine Tür, die durch einen schweren Stahlvorhang versperrt ist.
Sicher verschlossen. Ich stecke fest.
Einen Versuch wert. (Du versuchst, hindurchzulaufen.)
„Dante, bleib cool.“ (Du flüsterst in die Sprechanlage.)
Während du angestrengt auf eine Antwort wartest, spürst du, wie die Luft aus dem Raum gesaugt wird.
Verzweigung
Du wartest ab, was passiert.
Verzweigung
„Da kommt sie.“ (Du wartest, bis sie da ist.)
„Was ist los?“
Wenn es eine Antwort gibt, erreicht sie dich nur in der elektromagnetischen Sprache von Antennen und weitreichenden Übertragungsgeräten.
Du hältst dir die Ohren zu.
Der akustische Angriff legt sich allmählich. Nur um sofort von einem anderen eindringlichen Geräusch abgelöst zu werden.
„Ich habe ihre Sachen bereits gehört, es ist okay.“
„Ihre Stimme könnte den stehenden Teich aufwirbeln, der unsere Welt ist, wenn es ihr erlaubt wäre. 'Okay' kann nicht mal im Ansatz ihre Macht beschreiben.“
„Mainstream-Dreck. Wird niemand vermissen.“
„Die Worte einer kleinen Seele, die nichts hört und nichts weiß.“
„Du klingst, als wärst du sehr traurig darüber.“
„Auf dem emotionalen Sprachniveau eines Kleinkinds. 'Traurig' erfasst nicht mal ansatzweise den Verlust.“
„Vergiss es. Über meinem Niveau, wie du sagtest.“
„Hör auf damit. Du sprichts über sie, oder nicht?“
„Klingt unheimlich spaßig, muss der Grund dafür sein, dass sie dich niemals gehen lassen wollen.“
„Du könntest behaupten, dass ich dran schuld bin, weil ich denke, dass die Entwickelte Welt mehr zu bieten hätte als Degeneration und Mutation.“
„Der Große Lich. Portofiro. Geheime Abkommen. Ich muss die Oper davon in Kenntnis setzen.“
„Die 'Kulturblockade' zu Fall bringen, vermute ich.“
„Handelsbeschränkungen, blockierende Antennen … alles nicht besonders liberal, denkst du nicht auch? Facundo setzt sich stark dafür ein, diese lächerlichen Maßnahmen zu beenden.“
„Daher die 'Beziehungen', die dein Ministerium mit Tempo gepflegt hat.“
„Eine weitere großartige Schlussfolgerung. Du hast hier wirklich einen Lauf.“
„Wo ein Verlangen ist, ist auch das Imitat. Wo man wahre Kultur findet, steht mit Sicherheit ein paar Meter die Gasse runter eine billige Kopie zum Verkauf.“
„Wenn alles so eingeschränkt ist, warum sehe ich dann überall Werbung für luzianische Waren?“
„Guerillamaßnahmen von tapferen kulturellen Partisanen. Sie erinnern die sogenannte Entwickelte Welt daran, was ihr fehlt.“
„Ist das nicht genau das, worum sich es beim Basar dreht?“
Mehr ein Hintergrundrauschen als ein Mann.
Die Oper bevorzugt Beinamen für ihre größten Feinde. Unglücklicherweise kannst du sie dir nie richtig merken.
„Facundo Reyes. Er ist … der Völkermordende Oger?“
„Nein, ist er nicht.“
Keine Sorge. Wo der herkam, gibt es noch mehr.
Verzweigung
„Der Gesichtslose Sternenfresser?“
„Wie? Nein.“
Verzweigung
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„Sparen wir uns weitere Peinlichkeiten. Für mich ist Facundo der Minister der Massenkultur. Aber deine Partei kennt ihn als den 'Großen Lich des Techno-Faschismus'.“
Ein weiteres Teil des Umrisses beginnt, sich mit Farbe und Detail zu füllen.
Du stellst dir deinen Gesprächspartner vor. Er steht weniger als einen Meter von dir entfernt im knöcheltiefen Wasser. Das lange Stehen ist für ihn ungewohnt. Seine Arme ruhen auf dem kühlen Metall der Sprechanlage.
Dein Geist brummt. Dein inneres Auge erwacht.
Verzweigung
„Der Wampir der Sozialdemokratie?“
„Falsche Ideologie, Operant. Ich verabscheue Sozialdemokraten.“
„Der Revisionistische Kakodämon?“
„Ich glaube, du erfindest die einfach gerade.“
„Der Hundertäugige Golem?“
„Nein, das wäre Tesoro Buendia, den Kopf des Weinenden Auges …“
Die Art, wie er den Namen ausspricht, macht dir klar, dass hier keine Liebe herrscht.
„Der Hermaphroditische Erzliberale?“
„Auch nein, allerdings glaube ich, dass sie sich mal bei einem Gipfel getroffen haben.“
„Wie auch immer. Hilf mir auf die Sprünge.“
Verzweigung
„Ich habe keine Ahnung, wer das ist.“
„Wirklich? Das ist … sehr enttäuschend.“
„Nie von ihm gehört.“
Verzweigung
. . . . .
Ist er für immer fort?
Es ist, als wäre er nie da gewesen.
„Dante?“
Warte.
. . . . .
„Das klingt alles, als wäre das etwas zwischen dir und Tempo. Was hat das mit mir zu tun?“
„Mach weiter.“
„Tempo war sehr deutlich. Entweder ich oder gar nichts. Also was wird es sein?“
Ein langes, knisterndes Seufzen erfüllt den Raum.
Lass dich von seinen Ausweichmanövern und Andeutungen nicht ablenken. Der Deal. Du bist wegen des Deals hier.
Ein Knoten der Anspannung bildet sich hinter deinen Augen. Schon wieder ist man dir einen Schritt voraus.
„Du musst Tempo del Surs 'gut vernetzter Freund' sein – der Schuft von der Operanten-Dienststelle.“
„Es hat mir einige Probleme bereitet, zu dir vorzudringen.“
„Sie löschen die Lichter hier in der Nacht. Keine Fenster. Erzähl mir nichts von Problemen.“
„Wie soll ich dich nennen?“
Für einen Augenblick hörst du nichts als Rauschen.
Selbst über die verzerrte Verbindung kannst du fühlen, wie er seine nächsten Worte abwägt.
„Wie wäre es mit 'Armer Dante'? Ich denke, das wäre angemessen.“
„Vergiss Namen. Sie sind nicht wichtig.“
„Sehe ich auch so. Absolut überflüssig.“
Nein, es hat immer noch eine große Bedeutung. Diese kleine Ecke des Umrisses weigert sich, im Moment ausgefüllt zu werden.
„Es ist besser so. Betrachte mich als ein Geist der Sprechanlage.“
„Gut, Geist. Hast du auch einen Namen?“
„Die Oper wird nie müde.“
„Die Kommunisten? Interessant.“ Eine Pause. „Hmmm, durch dieses kleine Guckloch kann ich dich kaum sehen.“
„Wer ist da?“
„Haben mich meine Gefängniswärter bereits vergessen? Sehr traurig.“ Eine Pause. „Hmmm, durch dieses kleine Guckloch kann ich dich kaum sehen.“
„Werdet ihr Leute denn niemals müde?“ Die Stimme ist auf einmal rau und brüchig.
„Ist da jemand?“
Du sagst nichts.
Die schwere Stahltür hat ein einziges kleines Fenster. Daneben wartet geduldig eine brandneue Sprechanlage.