Verzweigung
Du warst hier auf einer Party, als du die unverkennbare Gestalt von Tempo del Sur gesehen hast, der über die Dächer auf dich zukam.
„Hershel!“
Ein schiefes Grinsen im Gesicht, ein ungewöhnlich leichter Gang. Der Blick von jemandem, der richtig gut gefickt wurde.
„Jemand hat gevögelt.“
„Verdammt noch mal, was? Du kannst Sperma riechen oder so? Du hast recht. Ich bin voll davon. Nimm dir eine Kippe.“
Er drückt dir eine Zigarette in die Hand und zündet sich selbst eine an. Er lehnt sich zurück und grinst die Welt freundlich an, wobei du einen Blick auf sein mit weißem Pulver bedecktes Nasenloch erhaschen kannst.
„Ich habe heute Abend die Zukunft gehört, Hersh.“
„Wie klingt die?“
„Die Illuminados wachen auf, Hersh. Sie tanzen zu einer neuen Art von Electro-Pop. Eine große Welle kommt auf uns zu. Die Industrieländer haben keine Ahnung. Keine Ahnung.“ Er wischt sich das falsche Nasenloch an seinem Ärmel ab.
„Techno-faschistische Popmusik, keine Ahnung. Was ist mit der ethnischen Säuberung?“
„Was soll's? Die Welt interessiert sich nicht für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn man sie schön verpackt und nsst nsst nsst.“ Er scratcht eine imaginäre Platte.
„Hör zu, was kommt, das kommt. Wir können nur versuchen, damit richtig viel Kohle zu machen.“
Er packt dich am Arm und zerrt dich runter zur Partygasse, schreit jeden DJ an, er soll „diese faschistischen Arschlöcher mit den Haaren“ spielen.
Verzweigung
Ende dieses Zweigs
„Also, was machst du jetzt?“
„Wo zum Teufel kommst du denn her?“
„Dieses schicke Penthouse da drüben. Er hatte Seidenbettwäsche, Hershel.“
Das ist zu schmerzhaft. (Du verdrängst die Erinnerung.)
War das das letzte Mal, dass du ihn lächeln gesehen hast?