Verzweigung
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„Ich hab keine Ahnung, was du mit dem alten Geier angestellt hast, aber er sieht zur Abwechslung richtig traurig aus.“ Der alte Pilot hebt sein Glas in deine Richtung.
„Endlich mal etwas Anstand hier.“
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Verzweigung 6Verzweigung 25Verzweigung 31Verzweigung 35Verzweigung 63Verzweigung 197Verzweigung 214Verzweigung 217Verzweigung 232Verzweigung 233Verzweigung 265Verzweigung 273Verzweigung 342Verzweigung 363Verzweigung 371Verzweigung 389Verzweigung 394Verzweigung 399Verzweigung 538Verzweigung 585Verzweigung 647Verzweigung 722Verzweigung 736Verzweigung 756Verzweigung 760Verzweigung 784Ein paar Meter entfernt schnauft und schwitzt dein Ziel, während er ins Münztelefon flüstert; die…Er hat ebenfalls die hasserfüllte Aufmerksamkeit des Alten auf sich gezogen. Vielleicht gibt es einen Weg…Ein paar Meter entfernt schnauft und schwitzt der wohlgekleidete junge Mann, während er ins Münztelefon…Keine zehn Meter entfernt hält ein junger Mann sich den Hörer des Münztelefons ans Ohr und flüstert…
„Wenn ihr Piloten seid, was macht ihr dann auf dem Boden?“
„Ehemalige Piloten“, grummelt er.
„Sieht João hier aus, als würde er irgendwas hochkriegen? Von einem Flugzeug ganz zu schweigen.“ Er macht eine Geste in Richtung des Stillen.
„Ich würde nicht gegen ihn wetten.“
„Hh hh'ck hh'ck …“ Eine Art raues Kichern löst sich aus der Kehle des besagten Mannes, aber er gibt kein Wort von sich.
Abwesende Intensität. Man kann unmöglich sagen, wie viel er überhaupt versteht.
„Was ist mit ihm los?“
„Das ist Quassel-João. Er redet nicht viel.“
„Ich bin PIGEON. Das da drüben ist SLAVA.“
Alternative Formulierung
„Ich bin PIGEON. Und dein Freund hier heißt SLAVA.“ Er nickt in Richtung des Rauchers.
„Woher habt ihr diese Rufzeichen?“
„'Slava' hieß früher eine Fischereigesellschaft aus dem Norden. Eine Zeit lang bin ich hauptsächlich für die geflogen. Die Pakete haben höllisch gestunken.“ Er spielt den Ball zurück zu PIGEON.
„Rat mal.“ Er dreht seinen Kopf abrupt in deine Richtung.
Rufzeichen sind nicht als Komplimente gedacht. Wenn er also nach einem Vogel benannt wurde, der immer den richtigen Weg findet …
„Schlechter Orientierungssinn?“
„Angeblich.“
„Der Kerl hat keinen Kompass. Ohne Radar würde er es nicht mal zum Münztelefon schaffen.“
„Eigentlich habt ihr euch da alle ein Eigentor geschossen. Ich hatte nie was gegen Tauben. Zähe kleine Bastarde.“
Verzweigung
„Nervige Vögel. Die fressen Zigarettenstummel.“
„Ha. Klar, warum nicht?“
Schmutzige kleine Stadtvögel. Ratten mit Flügeln.
„Ehrlich gesagt ist mir das egal.“
„Es ist auch nicht weiter der Rede wert.“
Verzweigung
„Keine Ahnung, wegen deiner Nase?“
„Gut zu wissen.“ (Du wechselst das Thema.)
„Wenn du meinst.“ Er schüttelt den Kopf.
Verzweigung
„Also, er ist João, und ihr beiden seid …?“
„Quassel-João“, korrigiert er dich. „Er redet nicht viel.“
„Das tut ehrlich gesagt keiner von euch.“
„Falsch. Ich bin ein Mann des Himmels, Blondie. Ich stehe nur gerade zwischen Flügen.“
„Dauerhaft.“
Ein ordentlicher Schluck seines eigenen, schwindenden Ruhms beschert dem Mann ein kurzes Gefühlshoch.
„Was für Piloten wart ihr?“
„Ich habe 'Frischware' transportiert. Verderbliche Güter – Obst, Fisch, alles, was schnell verdirbt.“
„Militär.“ Seine Stimme nimmt einen überheblichen Tonfall an.
Das Rangsystem unter Piloten ist ein ungeschriebenes Gesetz: Ganz oben stehen Militärpiloten, dann kommen Linienpiloten, Frachtpiloten und schließlich Hobbyflieger. Jetpiloten genießen außerdem mehr Respekt als Piloten, die klassische Propellermaschinen fliegen.
„Haschwej …“ Joãos Lippen bewegen sich, aber nur ein rasselndes Keuchen kommt heraus.
Die Spucke, die ihm durch Mundraum und Kehle schwappt, ist lauter, als jedes Wort, das er zu sprechen versucht.
Du beobachtest seine Mundbewegungen genau und erkennst die Worte 'Ich habe', 'Leute' und 'Land'.
„Du hast … Leute … Land?“
„Die Süße hat gute Ohren.“
„Quassel-João war das, was sie ein 'Neunauge' nennen. Ein Menschenschmuggler.“
„Also war er in Menschenhandel verstrickt?“
„Rein rechtlich gesehen ja. Aber all seine Passagiere waren freiwillig bei ihm. Sogar verzweifelt.“
„João hat Missionen bei niedriger Höhe in und aus den Gebieten geflogen und das für, was, zehn Jahre?“
„Jhck.“ Er nickt.
'Gebiete' bezeichnet in diesem Fall die zu La Luz gehörigen Inselstaaten. Für kurze Zeit waren sie unabhängig, jetzt sind sie wieder annektiert.
Weit unterhalb der Flughöhe des regulären Luftverkehrs, sodass die Flügel beinahe das dunkle Wasser streifen, überquert ein stotterndes Frachtflugzeug mit gedämpften Lichtern das Noscorrentische Meer.
„Krass.“
„Krass ist, was sie mit dir machen, wenn sie dich erwischen.“ Er nickt in Joãos Richtung.
Quassel-João starrt dich einfach nur an und verzieht das Gesicht zu einem humorlosen Grinsen.
Das, was ihm angetan wurde, ist der Grund, warum er nicht sprechen kann.
„Ein etwas gerissenerer Pilot hätte es natürlich geschafft, zu entkommen, aber …“ Er zuckt mit den Schultern und trinkt einen großen Schluck Schnaps.
Verzweigung
„Also war er Fluchthelfer?“
„Nenn es, wie du willst. Die Leute wollten raus.“
„Großes Risiko, große Belohnung.“ (Du nickst.)
„Nur ein großes Risiko. Als Belohnung bekommst du nur, was sie mit dir machen, wenn sie dich erwischen.“
Quassel-João starrt dich einfach nur an und verzieht das Gesicht zu einem humorlosen Grinsen.
Er wurde umfangreich belohnt.
„Das ist viel cooler, als was auch immer ihr gemacht habt.“
„Hhh'ck hh'ck!“ Schleim bricht aus dem Mann hervor.
„Warum nennt man sie Neunaugen?“
„Weil sie ihre Augen überall haben müssen“, leiert SLAVA müde herunter, als hätte er den Satz eingeübt.
„Er kann nicht sprechen?“
„Oh, er kann schon sprechen, es kommen dabei nur nicht viele Töne raus. Eine Frage der Stimmbänder.“
„Fracht, Militär, gruseliges Flüstern. Alles klar.“
„Was, João?“
„Hrggl Jek …“ Wieder bewegt er die Lippen nachdrücklich, aber nur schleimige Atemgeräusche sind zu hören.
„Und woher kommt ihr?“
„Offiziell? Sind wir Luzianer.“ Er gluckst und seine Gefährten schließen sich ihm an.
„Hh hh'ck hh'cl hhjj!“ Quassel-Joãos Kehlkopf zuckt in stummer Heiterkeit. Selbst PIGEON erlaubt sich ein Kichern.
Verzweigung
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„Ich verstehe den Witz nicht.“
„Wir sind Exilanten. Die Reunión wollte uns einsacken. Da sind wir hergekommen.“
Das Lachen lässt eine Art Konversations-Narbengewebe hinter sich zurück.
Verzweigung
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„Man ist nicht automatisch ein Exilant, nur, weil man von woanders her kommt, wisst ihr?“
„He. Nun, ich habe meinen Pächterschafts-Pass noch, mit Stempel und allem. Könnte jederzeit zurückfliegen.“
Im Zuge einer besonders brutalen Re-Annexion wurde die Pächterschaft beinahe dem Erdboden gleichgemacht. Zurückgeblieben ist eine geschrumpfte Hauptstadt, die von nicht urbarem Land umgeben ist.
„Gibt denn es etwas, für das sich das Zurückfliegen lohnen würde?“
„Sieh sich das einer an, eine Mirzäanerin, die tatsächlich Ahnung von der Welt hat.“
„Natürlich gibt es das, Süße. Die helle Sonne. Die sandigen Strände. Und irgendwo ein Massengrab, in dem die Knochen meiner Eltern liegen.“ Er grinst schief.
Ein geschmackloser Witz. Er hat einen Pass für ein Land, das es nicht mehr gibt.
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„Sicher, dass das eine gute Idee ist?“
„Aber klar. Wer würde nicht gerne wie João hier enden, oder noch schlimmer?“
DIE TECHNO-FASCHISTEN WÜRDEN IHN IN DEM MOMENT FESTSETZEN, IN DEM ER LANDET UND DAS WEISS ER. DANN WÜRDEN SIE KREATIV WERDEN.
Er öffnet den Mund zu einem breiten, unangenehmen Grinsen.
„Warum machst du das dann nicht?“
„Schön. Es ist immer gut, Optionen zu haben.“
Alle drei Männer brechen gleichzeitig in schallendes, freudloses Gelächter aus.
Ein Chor des rasselnden Hustens, als würden mehrere Katzen gleichzeitig Fellknäule hochwürgen.
„Wie seid ihr hier gelandet?“
Die Piloten werfen einander stumme Blicke zu.
„Wie wär's damit, Mirzäa. Du streichelst mir den Bauch, ich erzähle dir ein paar echt miese Geschichten.“
Er meint: 'Gib mir eine Runde aus'.
Du verstehst, was er sagen will, aber du kannst nicht anders: Ein apfelgroßes Stück Fett schmilzt unter deinen Händen, während du grau-gefleckte Falten alter Haut massierst.
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„Glaubt ihr, die Reunión hat es auch auf Portofiro abgesehen?“
„Wenn dem so ist, werde ich nicht hier sein, um es zu erleben. Meine Leber wird sich bald verabschieden. Der Krebs wird mich holen, ehe die Luzianer eine Chance haben.“
Dieses Grinsen. Als hätte er dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen.
Die Zeichen sind eindeutig, wenn man weiß, worauf man achten muss: ein gelblicher Hautton, verursacht durch Bilirubin. Die Krankheit hat ihn fest im Griff.
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„Vielleicht solltest du mit dem Trinken aufhören.“
„Wozu? Um das Sterben in die Länge zu ziehen? Ja, fantastische Idee.“
„Diese Scharlatane lieben allerdings eine dramatische Aussicht.“
„Wie dem auch sein – du bist hier die Ausländerin, Mirzäa, also sag du es uns. Denkst du, die Luzianer werden bald hier sein?“
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Das Thema – ob nun sofort oder irgendwann – der Verhandlungen, von denen der Gefangene dir erzählt hat.
Gäbe es die Verhandlungspause nicht, würden die betrunkenen und auch sonst verkommenen Diplomaten der rivalisierenden Kräfte EMTERR und La Luz Portofiro in diesem Augenblick unter sich aufteilen.
Verzweigung
„Woher zum Teufel sollte ich das wissen?“
„So oder so ist das euer Problem. Ich bin raus.“
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„Sie denken, Portofiro gehört zu ihrem Gebiet. Wenn sie es sich zurückholen können, werden sie es tun.“
„Hm. Hört ihr das? Intelligent und gutaussehend.“
„Ich weiß aus verlässlicher Quelle, dass das aktuell verhandelt wird.“
„Hmm …“ Er sieht dich jetzt anders an.
Als hätte man sie mit kaltem Wasser übergossen, werden alle drei Piloten schlagartig nüchtern, als deine Worte bei ihnen ankommen.
Gedanken über das Betanken nicht mehr existenter Flugzeuge rasen ihnen durch die Köpfe.
Du plauderst die Geheimnisse des Volkes an die ersten Schnapsdrosseln aus, denen du begegnest. Genau deshalb hast du intern auch Sicherheitsstufe 'NUR NICHTS VERRATEN'.
„Du hast dich mit den falschen Leuten abgegeben, Süße. Nur böse Menschen verfügen über verlässliche Quellen.“
„Ich gehöre zu diesen bösen Menschen.“
„Ich ziehe euch nur auf. Ich habe keine Ahnung.“
„Ich würde mir da keinen Kopf machen. Das ist nur Gerede.“
„Und wer wird sie aufhalten? Wird Nestor der Herrliche auf einem weißen Eber einreiten, die Todesschwadrone im Rücken?“
Verzweigung
„Wirch!“ Aus Quassel-Joãos Kehle löst sich ein Pfeifen, das möglicherweise den Kampfschrei eines Ebers imitieren soll.
Nestor der Herrliche, der berühmte Diktator Portofiros von vor etwa vierzig Jahren. Er wurde in gleichem Maße geliebt und verachtet und man kann nicht leugnen, dass er einen überlebensgroßen Eindruck hinterlassen hat.
DER HUNGER EINES REICHES IST UNERBITTLICH UND UNERSÄTTLICH.
„Krebs ist nur eine Verschwörung, die Ärzte ins Leben gerufen haben, um mehr Krebs-Medikamente zu verkaufen.“
„Verschwörung oder nicht Mirzäa, ich sterbe trotzdem.“
„Sie hat aber recht. Ärzte sind ein Haufen Witzbolde. Fast so schlimm wie Bürohengste.“
„Dann wird es Zeit, richtig einen zu heben. Stilvoll abzutreten.“
„Daran arbeite ich.“ Er nickt ehrwürdig und schenkt dir nach. „Prost.“
„Prost.“
Ein paar hundert Hirnzellen erlöschen gleichzeitig auf angenehme Weise.
„Danke, ich habe genug.“
„Trink. Und red weiter.“ (Du reichst ihm eine Flasche Schnaps.)
„Ähem …“ Er nimmt zur Vorbereitung einen tiefen Schluck.
„Ich bin aus Tarisca geflohen. Das ist eine kleine Hafenstadt nordöstlich von Sankt Ulwen. Ich hatte da eine Freundin. Hab eine Vortex E6 direkt vom Asphalt gemopst.“
Ein leichtes Modell. Einzelnes Wellenleistungstriebwerk und ein Tank, der gerade mal 120 Liter Biodiesel fast. Wird vom aussaunischen Militär und Guerillagruppen bevorzugt.
„Schnelle Beschleunigung, wenig Reichweite.“
Die Piloten tauschen einen weiteren Blick aus. Dein technisches Wissen scheint sie eher zu verwirren als zu beeindrucken.
Wenn du dich so damit brüstest, dass du keine gewöhnliche Zivilistin bist, könntest du dir auch gleich ein Schild umbinden.
„Es war ein luzianisches Modell. Die Steuerelemente konnte ich kaum entziffern.“
„Nach ein paar Tagen haben sie angefangen, den Aufstand niederzuschlagen, und ich hatte genug über solche Dinge gehört, um zu wissen, was jetzt kommen würde. Also habe ich sie direkt aus dem Hangar geklaut. Habe nicht mal die Abdeckung vollständig entfernt.“
„Was 'kam denn jetzt'?“
„Sie würden ein Exempel an der Stadt statuieren. Nun, das haben sie getan.“
Sein Gesicht zuckt auf der dünnen Grenze zwischen perverser Freude und nackter Angst.
„Es war ein steiler Anstieg. Fast wäre ich auf dem Weg nach Oben in Flammen aufgegangen, aber ich habe sie sauber rüber bekommen. Hinter mir erstreckte sich die Stadt wie Adern in Marmor. Wunderschön.“
Er wagt sich auf die dünne Decke der Erinnerungen wie ein Kind auf einen gefrorenen See.
„Niemand hat dich verfolgt?“
„Luz hat drei Flieger zusammengetrommelt – kontinentale, keine Einheimischen. Sie kannten das Gelände nicht so gut wie ich. Über der Vioren-Schlucht wollten sie mich niedermachen, aber ich habe eine abrupte Rolle hingelegt und die Ränder um Haaresbreite verfehlt. Hab sie in ihren eigenen Abgaswolken zurückgelassen.“
„Bald gab es nur noch mich und den Ozean. Und dann kam das Licht.“
„Der Sonnenaufgang?“
„Berrion-Bomben.“
„Fwiiishhhh!“ Der Stumme setzt die wenigen Geräusche, die zu erzeugen er in der Lage ist, ein, um eine groteske Geräuschkulisse beizusteuern.
„Erst ganz sanft und farblos. Dann Wellen von Grün und Violett entlang der gesamten Küste. Und Farben, die ich gar nicht benennen konnte, alles kräuselte sich wie Öl in Wasser.“
Der Albtraum eines Malers, erschaffen aus Körpern und Feuer.
„Diese Bomben lassen keine Ruinen zurück, weißt du? Nicht einmal Krater. Nur planierte, mit feinem grauen Staub überzogene Ebenen.“
Und so wird durch irgendeine seltsame Alchemie irgendwo zu nirgendwo.
„Aber … wolltest du nicht umdrehen? Nachsehen, ob du jemanden retten kannst?“
„Ha. Das fragen mich die meisten. Ich kenne eine, vielleicht zwei Personen, die tatsächlich die Eier dafür gehabt hätten.“
„Willst du noch mehr solche Geschichten hören, Süße? Wir stecken voll davon.“
Die Geschichten ziehen an ihnen ebenso wenig spurlos vorbei wie an den Zuhörern. Jede Wiederholung reißt die alten Wunden wieder auf.
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„Du hättest die Verantwortlichen auslöschen sollen. Jeden Einzelnen. Ihre Familien. Ihre Hunde.“
„Das ist eine nette Tagträumerei.“
„Das Überleben allein hat nicht automatisch einen Wert. Du bist hier, du lebst. Na und?“
„Aye. Ratten überleben. Tauben auch.“
„Immerhin hast du es raus geschafft.“
„Aye. Tja, und hier bin ich nun.“ Er genehmigt sich noch einen Kurzen und sinkt noch tiefer hinein.
„Feuer?“
„Suchscheinwerfer?“
Er soll weiterreden.
„Wie sah die Pächterschaft von dort oben aus?“
„So, wie sie jedes Mal ausgesehen hat, außer beim letzten. Ich weiß noch, wie die Sonne auf die Kuppeln der Ratsgebäude gefallen ist. Und der Hafen … hunderte leuchtend grüne Segel. Wir haben sie immer Schwimmkäfer genannt.“
Er soll weiterreden.
Du sagst nichts.
„Ein Flugzeug, nehme ich an?“
„Die Runde geht auf mich. Lass hören.“ (Du legst 10 Sol auf den Tisch.)
„Danke, dass du so offen warst.“ (Du wechselst das Thema.)
„Ich wünschte, das könnte ich auch behaupten, Herzblatt.“
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Die Reunión: die große Annexionskampagne von La Luz. Langsam, legal und oft blutig. Eine schleichende Flut, die langsam alle paar Jahre eine weitere ihrer ehemaligen Kolonien verschlingt.
„Und inoffiziell?“
Die luzianische Bedeutung von 'La Luz'. Offiziell 'das Erleuchtete Imperium'. Die techno-faschistische Macht direkt über den Belt von Portofiro und einer deiner Hauptgegner.
Das Imperium kontrolliert viele der umliegenden Regionen, zu denen einst auch Portofiro gehört hat. Es war eine luzianische Strafkolonie.
"Ich möchte mehr über dein Exil erfahren."
Er nickt barsch.
„Eine Runde für die Geschichte?“ (Du legst 10 Sol auf den Tisch.)
„Sicher. Das hab ich dir ja zugesagt. Ähem …“ Er nimmt einen tiefen Schluck und räuspert sich.
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„Was haltet ihr von Portofiro?“
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„Ist irgendwie ein Drecksloch, aber in Ordnung.“
„Die Herzogin ist das Einzige, was diese Stadt irgendwie erträglich macht.“ Er hatte es als Witz sagen wollen, aber sein Ton rutscht ins Verdrießliche ab.
„Soll das heißen, ihr bleibt nur für den Telefonsex in Portofiro?“
Alternative Formulierung
„Ich habe gehört, dass viele Leute für den Telefonsex nach Portofiro kommen.“
„Jhhhä.“ Quassel-João nickt knapp. Die anderen schweigen.
Übersetzung nicht nötig und keine Spur von Ironie. Ja.
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„Das ist alles? Was ist mit den Leuten?“
„Die sind in Ordnung.“ Er zuckt mit den Schultern. „Wie freundliche Hunde.“
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„Ein paar Vorzüge machen die Stadt schon empfehlenswert, was?“ Er hebt vielsagend eine Augenbraue in Richtung seiner Gefährten.
„Ist irgendwie ein Drecksloch, aber in Ordnung.“ Er ignoriert den Kommentar seines Begleiters.
Du stellst dir vor, wie diese Worte in Großbuchstaben auf dem Cover der am wenigsten einladenden Reisebroschüre der Welt aussehen würden.
„Was soll das heißen, 'ein paar Vorzüge'?“
„Ach, du weißt schon, ein paar der Einheimischen sind wirklich nett. Und talentiert.“ Er grinst.
„Du würdest auch auf einer Müllhalde wohnen, solange du weiter Telefonsex haben kannst, was?“
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Er spricht von der Wunder-Hotline. Sie sind Stammkunden, alle drei.
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„Moment, soll das heißen, Portofiro hat besonders guten Telefonsex?“
„Nur, wenn du ein schmieriger alter Sack bist.“
„Man könnte denken, er hätte nicht mehr Stunden mit der Wunder-Hotline verbracht, als er je in einem Flugzeug gesessen hat.“
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Die Wunder-Hotline. Du erkennst den Namen sofort von der Karte, die du in PSEUDOPODs Tasche gefunden hast.
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„Die Seite der Broschüre habe ich wohl überblättert.“
„Du bist eindeutig neu hier. Jeder in der Stadt kennt die Wunder-Hotline.“
„Dieser Tele-Geier, den du erwähnt hast. Was ist mit dem los?“
Alternative Formulierung
„Dieser Tele-Geier, was ist mit dem los?“
„Nur noch ein ausländischer Finanz-Fuzzi. Von denen gibt es in letzter Zeit viele in der Stadt.“
„Der verklemmte Arsch ist eines Abends einfach hier reinspaziert, vor ein paar Tagen. Hat den Hörer abgenommen und ihn seitdem nicht mehr losgelassen.“
„Grrrrsch …“ Der dritte Pilot stößt ein sowohl ekelerregendes als auch angeekeltes Grummeln aus.
Das war ein Knurren, kein Sprechversuch. Könnte er sprechen, würde er dieses Geräusch nicht machen.
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„Warte, für wen arbeitet er denn?“
„Wen interessiert das, Süße? Kein Anzugträger hat jemals wirklich gearbeitet.“
„Komm schon. Ein ausländischer Finanzmann, in dieser Stadt? Natürlich für EMTERR.“
WIE DIE GEIER ÜBER EINEM STERBENDEN TIER. IN ERWARTUNG EINES KADAVERS.
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Wenn das stimmt, weiß er vielleicht, wo du die Leitung von Humankapital finden kannst.
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Dann muss der Tele-Geier einer der Vermittler sein, die Dante erwähnt hat.
Überall, wo es Geld gibt, ist die blutige Hand des internationalen Kapitals nicht weit.
EMTERR, alias L'Empire sans Territoire, alias 'die Bank'. Zu gleichen Teilen internationaler Entwicklungsfonds und Geheimdienst. Der Dreh- und Angelpunkt der Entwickelten Welt.
„Er ist verdorben, aber harmlos. Ich sehe da kein Problem.“
„Wir wollen alle mal drankommen, Süße.“
Alternative Formulierung
„Wir wollen alle mal drankommen, Süße. Du doch auch. Ich habe dich da drüben gesehen, wie du dir deine Portion abgeholt hast“
Verzweigung
„Er ist jeden verdammten Tag hier. Hängt stundenlang an der Hotline – nimmt überhaupt keine Rücksicht darauf, ob andere auch schon dran waren oder nicht und verkrümelt sich erst, wenn die Sonne untergegangen ist.“
„Klingt, als wärst du neidisch auf seine Ausdauer.“
„Da gibt es nichts, worauf man neidisch sein müsste. Er ist ein leerer Anzug. Hat nicht mal den Anstand, traurig zu sein.“
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Die Techno-Faschisten mögen seine Heimat zerstört haben, aber seine wahre Abneigung hebt er sich für Unternehmertypen auf.
„Soll er in seinem Reichtum verrotten.“
„Er ist nicht reich, SLAVA, er arbeitet nur für reiche Leute.“ Der alte Mann verdreht die Augen. „Ignorier die beiden, Mirzäa, die haben keine Ahnung, wie Geld funktioniert.“
Verzweigung
„Wie werden stolze Männer wie ihr von einem Wiesel mit mickrigem Gehalt dominiert?“
„Was sollen wir denn machen, uns mit ihm prügeln?“
„Es stünde drei gegen einen. Einfach.“
„Selbst, wenn jemand ihn halb tot prügeln würde, würde er nichts fühlen. Er ist ein leerer Anzug. Hat nicht mal den Anstand, traurig zu sein.“
„Habt ihr was Besseres zu tun?“
„Okay, genug vom Tele-Geier.“ (Du gehst zurück.)
„Glaub mir, wir alle haben die Schnauze voll vom Tele-Geier.“
Verzweigung
„Wo genau drankommen?“
„An der Wunder-Hotline.“ Ein idiotisches Grinsen dehnt seine Gesichtszüge.
Er muss das nur sagen und wird schon etwas steif.
Verzweigung
Die Wunder-Hotline. Dafür muss die Karte in deiner Tasche sein.
„Das ist nur eine Sex-Hotline, Mirzäa … aber eine fantastische, das muss man zugeben.“
„Ich habe noch nie erlebt, dass Leute sich so um ein Münztelefon streiten.“
„Das liegt daran, dass du die Wunder-Hotline nicht kennst.“
„Ich verstehe nicht, was du gegen ihn hast.“
„Ihr Kerle habt doch die Welt bereist. Habt ihr je irgendwo ein geheimes Gefängnis gesehen?“
Zwei der drei Piloten drehen langsam ihre Köpfe in Richtung des Dritten im Bunde. Des Stillen.
„Hhh … Hhh …“ In der Stille klingen Quassel-Joãos Atemzüge wie ruckartige Flügelschläge.
Eine bleierne Stille macht sich breit. Du hast etwas angesprochen, das besser unerwähnt geblieben wäre.
„Und warum würdest du so etwas fragen?“
„Das nehme ich mal als ja.“
„Hh wss ich nnng.“ Wieder bewegen sich seine Lippen, ohne dass ein Laut über sie kommen würde.
Die stummen Worte lassen sich von seinen Lippen ablesen: 'Ich war in einem eingesperrt.'
„Wenn João dir was erzählen will, ist das sein Problem. Ich spiel hier nicht den Dolmetscher.“
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Du blickst João an.
Ruhige Atmung. Ein Blick, der irgendwie leer wirkt und dich doch fixiert.
Er wird nicht nachgeben. Widerstand hält es in der Luft.
Die Brille zeigt nur noch deutlicher, was in diesem Blick grundlegend fehlt.
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Seit Kameraden sind vielleicht nicht bereit, dir etwas zu erzählen, aber er ist es. Falls du ihn verstehen kannst.
„Was ist mit ihm passiert? Ich will es wissen.“
„Das solltest du nicht.“
„Warum erzählst du uns stattdessen nicht etwas … anregendes, hm? Um die Stimmung aufzulockern.“
Durch seine dauernde Laszivität versucht er, seinem Freund einen Rettungsring zuzuwerfen.
„Wie wäre es, wenn ich dir eine Runde ausgebe?“
„Es gibt in der ganzen Stadt nicht genug Schnaps. Außerdem kann nur SLAVA wirklich dolmetschen, was João sagt.“
„Ich mach das nicht. Wenn er dir was erzählen will, ist das sein Problem.“
„Hhwwt lljj crrhh, hhuhh …“ Wieder bewegen seine Lippen sich in einer stummen Erzählung.
„Wie wäre es mit noch einer Runde?“
„Reg das hier an.“ (Du zeigst ihm den Mittelfinger.)
„Wenn du es mich versuchen lässt, gerne.“ Er zwinkert dir zu.
Du liest Quassel-João die Geschichte selbst von den Lippen ab.
Deine ganze Aufmerksamkeit fokussiert sich auf seinen Mund und die genauen Einzelheiten seiner Bewegungen – Kieferposition. Zungenposition. Lippen.
„Erzähl es mir. Langsam.“
„Huuuh …“ Wie die Abgase eines sterbenden Motors verlässt ein lautes Ausatmen seine Kehle und sein Mund beginnt mit der Arbeit.
Die flüchtigen Formen geisterhafter Worte tanzen durch dein Sichtfeld.
'Gefangen'. 'Folter'. 'Verlegung'. 'Anderer Ort'.
"Warte, wer hat dich gefangen gehalten?"
"Hhhn-hrrr." Die beiden Silben sind beinahe verständlich.
EMTERR.
Verzweigung
Ein Exempel, um der Entwickelten Welt zu zeigen, dass sie 'ernsthaft' gegen Menschenhandel vorgehen.
„Sie haben dich häufig verlegt. Du warst nie lange am selben Ort.“
„Hhwwch llch ggnnll, hhhh …“ Das Lippenlesen geht weiter.
'Unterschiedlich'. 'Sauber'. 'Ärzte'.
Irgendwann siehst du die Geschichte hinter seinen Worten. Nachdem er mehrere Wochen oder Monate lang wie ein Stück sterbendes Fleisch von einer Folterkammer zu nächsten gezerrt worden war, landete er plötzlich in einer sterilen Einrichtung.
Der ganz eigene Schrecken der Sterilität. Die inhärente Grausamkeit menschlicher Neugierde.
SIEH ES DIR GENAU AN! DAS WAHRE GESICHT DER SOGENANNTEN ENTWICKELTEN WELT.
„Sie haben dich in eine medizinische Einrichtung gebracht …“
„Hhjjjl rrch hhehh …“ Seine Mundbewegungen werden immer langsamer, je näher er dem Ende seiner Geschichte kommt.
Tief in deinem Inneren weißt du bereits, was jetzt kommt.
'Stimmbänder'. 'Operation'. 'Keine Betäubung'. 'Mich gehen lassen'.
Sobald die Experimente abgeschlossen waren, haben sie ihn wieder auf die Straße geworfen und die Türen geschlossen.
„Verdammt, João …“
„Heeeh …“ Mit einem letzten Ausatmen hält sein Mund endlich inne. Er nickt.
Jetzt siehst du sie. Getarnt durch Falten versteckt sich ein Kragen aus Narbengewebe an seiner Kehle.
Verzweigung
„Ich hätte dich nicht bedrängen sollen, mir deine Geschichte zu erzählen. Wahrscheinlich habe ich dich wieder neu traumatisiert. Ich bin kein Stück besser als die, die dich gefangen genommen haben.“
Es dauert ein paar Minuten, aber das zynische, abwesende Lächeln kehrt langsam in sein Gesicht zurück.
„Ich hätte dich nicht bedrängen sollen, mir deine Geschichte zu erzählen. Wahrscheinlich habe ich dich wieder…„Das machen sie also in den geheimen Gefängnissen … Experimente an Menschen …“„Wenn ich einen dieser Bänker-Ärsche in die Finger kriege, wird ihm ebenfalls Schreckliches widerfahren.“„Du hast überlebt, immerhin. Ich weiß nicht, ob es das besser oder schlimmer macht.“
„Hoffentlich bist du jetzt zufrieden, Mirzäa.“
„Die kranke Scheiße, die ich der Herzogin jetzt werde erzählen muss … uff.“ Er schüttelt den Kopf, erzittert aber erwartungsvoll.
Schmerz und Wollust, Abstoßung und Anziehung, alles hoffnungslos miteinander verworren.
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„Das machen sie also in den geheimen Gefängnissen … Experimente an Menschen …“
„Wenn ich einen dieser Bänker-Ärsche in die Finger kriege, wird ihm ebenfalls Schreckliches widerfahren.“
„Du hast überlebt, immerhin. Ich weiß nicht, ob es das besser oder schlimmer macht.“
„Sie haben dir die Stimmbänder rausoperiert und dich dann gehen lassen …“
Er soll weiterreden.
Du nickst, um anzuzeigen, dass du verstehst.
EMTERR, aka die Bank. Die Organisation ist irgendetwas zwischen einer internationalen Entwicklungsbank und einem Privat-Geheimdienst, der nur sich selbst und dem Kapitalismus verpflichtet ist. EMTERR ist der mächtigste Feind der Oper – und damit auch deiner.
Du starrst auf seinen Mund und murmelst eine Anweisung:
„Erzähl es mir …“
„Huuuh …“ Wie die Abgase eines sterbenden Motors verlässt ein lautes Ausatmen seine Kehle und sein Mund beginnt mit der Arbeit.
'Hunde' … 'eigen' … 'Pergament'?
Was zum …?
„Hhwwch llch ggnnll, hhhh …“ Das Lippenlesen geht weiter.
'Vorhaut' … 'Onomatopoesie' … 'Ketamin' …
Aus dem Versuch, die Geschichte des ehemaligen Piloten zu erfahren, wird schnell eine philosophische Betrachtung der Natur der menschlichen Kommunikation.
Wie funktioniert der menschliche Mund? Wie kann es sein, dass unser Grunzen und Knurren von anderen verstanden wird, ob es nun stumm ist oder nicht?
Nach einer Weile erscheint die Sprache selbst unmöglich.
„Hm-hm. Wow. Was eine verrückte Geschichte.“ (Du lügst und tust so, als hättest du ihn verstanden.)
Er verstummt abrupt. Das zynische Lächeln kehrt langsam auf sein Gesicht zurück.
„Bist du jetzt zufrieden, Mirzäa?“ Er schüttelt den Kopf.
Verzweigung
„Ich bin raus. Ich verstehe kein Wort.“
Er verstummt abrupt. Das zynische Lächeln kehrt langsam auf sein Gesicht zurück.
„Ich glaube, ich lese seine Lippen nicht richtig.“
„Ich kann ausgezeichnet Lippen lesen, er faselt nur Unsinn.“
Du lässt die Sache auf sich beruhen.
„Warum erzählst du uns nicht ein paar nette, schöne Geschichten, um die Stimmung aufzulockern, hm?“
„Huuuh … hehh …“ Quassel-João schnauft gleichmäßig weiter.
Verzweigung
„Ich interessiere mich einfach für Verschwörungen, Staatsgeheimnisse und Orte, die es eigentlich nicht geben sollte.“
„Tja, wir nicht. Wir holen uns unsere Unterhaltung anderswo.“
„Ich suche nach einem. Der Grund braucht euch nicht zu interessieren.“
„Geheime Gefängnisse findet man nicht einfach, Mirzäa. Sie finden dich.“
„Ich suche nach einem Kollegen. Superbloc, Brille, schütteres Haar. Er hat möglicherweise dieses Münztelefon benutzt.“
Alternative Formulierung
„Ich suche nach einem Kollegen – einen Sockenimporteur aus dem Superbloc. Er hat möglicherweise dieses Münztelefon benutzt.“
„Aus dem Superbloc, was? Interessant … aber nein.“
„Ich würde ja sagen, frag die Herzogin persönlich … aber sie spricht vor Kunden nicht über andere Kunden. Sie arbeitet professionell.“
Das weiß er, weil er es ausprobiert hat.
Verzweigung
„Soll heißen, du hast versucht, sie vom Gegenteil zu überzeugen.“
Er nickt grinsend. Die Zigarre schwelt zwischen seinen Zähnen.
Ertappt. Ehrliches Spiel.
„Ich habe die Herzogin gefragt. Sie hat bestätigt, dass sie sich unterhalten haben.“
„Das … hat sie dir erzählt? Muss ein Frauen-Ding sein.“
Neidisch.
„Nun, dann hast du ja deine Antwort. Aber nein, ich erinnere mich nicht an so jemanden.“
PSEUDOPOD. Scheinbar war er zu Lebzeiten ebenso ein Niemand wie jetzt.
Verzweigung
„Er hätte deutlich als Ausländer erkennbar sein müssen. Braune Jacke, Brille …“
„Hm. Kann jetzt nicht behaupten, dass mir so jemand aufgefallen wäre. Aber eine Menge Leute benutzen das Telefon. Der Geier ist uns nur aufgefallen, weil er sich weigert, wieder zu gehen.“
„Alles klar, danke trotzdem.“
Die Piloten nicken und widmen sich wieder ihren Getränken.
Verzweigung
„Ihr Typen seid alt. Kennt ihr einen Arzt?“
„Aber sicher, Süße. Der gute Dr. Hugo ist auf seinem Hausboot gleich da drüben.“
Der Mann namens João deutet auf den Weg hinter sich, entlang der Wasserkante.
„Es ist beruhigend zu wissen, dass wir nur ein paar Meter von einer Wiederbelebung entfernt sind, wenn es mal heiß hergeht.“
Verzweigung
„Ich habe ein paar Fragen bezüglich der 'Wunder-Hotline' an euch.“
„Bitte, Süße, noch mehr Konkurrenz verkraften wir nicht. Wegen dieses Finanz-Fuzzis sind schon nur noch schnelle Nummern drin.“
Verzweigung
„Was genau ist das Wunder bei der Sache?“
„Das Telefon ist immer angeschlossen, jawohl. Kein Wählen, keine Möglichkeit, irgendwo anders anzurufen. Du hebst diesen Hörer da drüben ab … und fertig, sie ist am Apparat.“
„Die Herzogin.“
Das Wort kommt etwas undeutlich heraus, es klingt, als müsse er Spucke schlucken, um es aussprechen zu können.
Verzweigung
„Moment, wie kann das sein?“
„Eine Münze hat sich da drin verklemmt, der Teufel weiß, wo. Seitdem läuft der Anruf.“
„Ein großer Anruf, Süße. Seit mindestens fünf Jahren und mindestens über die halbe Stadt. Die Herzogin gegen den Rest der Welt.“
Die schmutzige Gemeinschaftlichkeit macht es für sie nur noch erregender.
„Warum entfernt niemand die Münze?“
„Jjjhhrch!“ Ein entrüstetes Glucksen kommt aus seiner Kehle.
„Ich könnte mir vorstellen, dass darüber nicht allzu viele Leute hier glücklich wären. Aber eins kann ich dir sagen … als die übrigen Münztelefone von Renotel zu kabellosen Diensten umgerüstet wurden, blieb dieses unberührt. Mach daraus, was du willst.“
Verzweigung
„Gratis-Telefonsex. Ein wirklich fortschrittlicher öffentlicher Dienst.“
„Aber es ist nicht nur das … Was auch immer du magst, was auch immer dein Ding ist, irgendwie findet sie es heraus. Die Leute öffnen sich ihr einfach …“
Mit anderen Worten, ein großer Topf Honig. Der darauf wartet, vernascht zu werden.
Du kannst nicht ausschließen, dass sie eine Spionin ist. Dass schon jemand vom Topf genascht hat.
„Das ist ja nicht gerade ein erfolgreiches Geschäft, ihr alle schnorrt nur.“ (Du schüttelst den Kopf.)
„Okay. Und wo ist der Haken?“
„Es gibt keinen. Du rufst an, die Herzogin antwortet. Ganz einfach. Wunderschön.“
„Und am anderen Ende der Leitung ist nur eine Person?“
„Die Herzogin“, wiederholt er.
„Wovon lebt diese Herzogin denn?“
„Warum muss es heutzutage immer ums Geld gehen?“ Er schnalzt mit der Zunge.
Leichtes, allgemeines Unbehagen. Du hast den Elefanten im Raum angesprochen.
Verzweigung
„Weil das Telefon einem Privatunternehmen gehört. Renotel.“
„Ich hab's dir ja gesagt.“ Er richtet diese Bemerkung an SLAVA, der sie mit einem mürrischen Klickgeräusch quittiert.
„Unvermeidbar.“ Er steckt das Geld ein und nickt dir zu. „Allerdings hat sie uns gegenüber das Problem der Bezahlung nie angesprochen.“
„Und das findet ihr nicht komisch?“
„'Nem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Trotzdem …“
„Alle Münztelefone, die mir untergekommen sind, hatten irgendeinen Delfin-Aufdruck. Wenn jemand weiß, wie die Wunder-Hotline funktioniert, dann wohl Reno.“
DIES IST KEIN FEHLER IM KAPITALISTISCHEN SYSTEM, SONDERN EIN MONSTRÖSER AUSWUCHS.
Sie tun so, als stünde die Geldfrage hinter der Existenz der Wunder-Hotline zurück, aber dem ist nicht so. Hier liegt das Problem.
Verzweigung
„Und wie hast du das erraten?“
„Indem ich mich umgesehen habe.“
„Sie kann unmöglich den ganzen Tag Anrufe annehmen, wenn sie damit kein Geld verdient, es sei denn … Vielleicht ist sie kein Mensch?“
„Hey, SLAVA, das würde dir gefallen, oder?“
„Besser als die meisten Menschen, die ich kenne.“ Er tut euch beide mit einem Schulterzucken ab.
„Wenn da Geld im Spiel ist … dann nicht auf eine Weise, die uns betrifft. Die Hotline ist schon kostenlos, seit irgendjemand sich daran erinnern kann.“
„Eigentlich interessiert die Geldfrage mich nicht wirklich.“
„Was könnte sie denn sonst davon haben?“
„Unsere angenehme Gesellschaft.“
Seine angenehme Gesellschaft jagt dir einen kalten Schauer den Rücken hinunter.
„Wovon lebt diese 'Herzogin' denn?“
„Ich habe die Wunder-Hotline angerufen.“
„Das wissen wir, Süße. Wir haben dich dabei beobachtet. Wie war es? Siehst du schon Sternchen?“
„Ich fand sie ziemlich mittelmäßig.“
„Nun, dann bist du kälter als eine Ladung Export-Shrimps.“ Er verziert angewidert die Lippen.
„Ich gebe das nur ungern zu, aber da bin ich seiner Meinung. Es kommt selten vor, dass die Herzogin nicht herausfindet, was jemandes Ding ist.“
Verzweigung
„Sie hat in meiner Lendengegend einige Gefühle ausgelöst.“
„Mann, Frau, alt, jung … ich habe noch nie erlebt, dass sie ihr Ziel verfehlt hat.“
Ein schlanker Finger schlüpft zwischen die schwarzen Kringel einer Telefonschnur und wickelt sie um sich auf … plötzlich zieht er und dir bleibt die Luft weg.
„Ihre Fähigkeiten sind beeindruckend. Eine Meisterin ihres Fachs.“
„Vielleicht hat sie einfach von Natur aus ein Talent dafür.“
„Habt ihr so etwas schon mal gesehen?“ (Du zeigst ihnen die Karte, die du bei PSEUDOPOD gefunden hast.)
„Na sieh sich das einer an …“ Er reicht die Karte an João weiter.
„Hehhhcch …“ Seine Augen weiten sich für einen Moment und er nickt, ehe er die Karte erneut weiterreicht.
„Wo hat ein unschuldiges Ding wie du denn so etwas her?“
„Aus der Hosentasche eines katatonischen Kollegen.“
„Wer würde nicht gerne so abtreten, hm?“ Ein Kichern breitet sich rund um den Tisch aus.
„Phhgggrl!“ Bei seiner Darbietung einer vollständigen sexuellen Vernichtung fliegen ihm Speicheltröpfchen aus dem Mund.
Hinreißende Fantasien des masturbierenden Todes überkommen sie.
Hinter den Witzeleien steckt eine Ernsthaftigkeit – das ist die einzige Freude in ihrem Leben.
„Keine Sorge. Ich bin sicher, euch steht genau das bevor.“
„Oh, du bist zu freundlich. Möchtest du mir dabei helfen?“ Er lacht laut auf.
„Früher waren einige von denen in Umlauf, aber schon seit Jahren nicht mehr.“
Alternative Formulierung
„Um deine Frage zu beantworten, früher waren einige von denen in Umlauf, aber schon seit Jahren nicht mehr.“
„Ich nehme an, die sind aus der Zeit, ehe das Telefon dauerhaft verbunden war.“ Er reicht die Karte an dich zurück.
Verzweigung
„Ich glaube nicht, dass er telefoniert hat, er hat eine Disc angehört.“
„Ich habe auch ein paar Aufnahmen der Herzogin gemacht. Für den privaten Gebrauch, weißt du?“
„Ich habe sie auf der Straße gefunden.“ (Du lügst.)
„Ein nettes kleines Andenken.“
„Das ist doch nicht wichtig, habt ihr so etwas schon mal gesehen?“
„Ihr geht doch alle sehr offen voreinander mit eurem Telefon-Sexleben um.“
„Ich habe nichts zu verbergen. Von PIGEON kann ich das allerdings nicht behaupten.“
PIGEON verdreht die Augen und tut so, als wäre ihm die Bemerkung egal.
Verzweigung
„Schon gut. Ich habe ein eigenes Telefonding laufen.“
„Hhhcchh …“ João wirkt plötzlich fröhlicher und rutscht näher zu dir.
„Du willst es uns doch erzählen, oder? Komm schon, was ist dein Ding?“
Die rasiermesserklingenscharfe Stimme deiner Controllerin kommt dir in den Sinn, das kalte Licht eines unendlich weit entfernten Sterns.
„Das ist eher platonisch.“
„So ist es bei mir und der Herzogin auch. Früher habe ich sie um perverses Zeug gebeten, aber jetzt nicht mehr. Wir sind einfach Freunde.“
Der Freier ist immer der Feind. Sie lässt ihn zwar vielleicht denken, sie wären befreundet, aber eigentlich sind sie es nicht.
Du kannst ihm glauben oder nicht, aber die anderen Piloten tun es und verzehren sich danach.
„Wie geht das denn?“
„Wenn man lange genug mit einer Person redet, kommt man sich unweigerlich irgendwann näher. Vorausgesetzt, man bittet die andere nicht in einer Tour, Tiergeräusche zu machen.“ Er wirft seinem Kumpel einen langen Seitenblick zu.
Er spielt mit ihnen wie eine Katze mit ihrer Beute. Jetzt reißt er ein weiteres Bein ab und sieht dem armen Ding beim Humpeln zu.
„Tatsächlich, wo wir gerade bei der Herzogin sind … Ich hätte da einen Gefallen, um den ich jemanden bitten möchte. Du könntest mir nicht zufällig helfen, oder?“
„Was brauchst du denn?“
„Ich habe vor einer Weile ein Geschenk für die Kinder der Herzogin gekauft, aber ich schaffe es nicht den ganzen Weg da rauf …“
Augen weiten sich. Die anderen Männer sehen ihn an, als wäre er ein Gott.
„Könntest du es für mich überbringen?“
Hier stimmt etwas nicht. Er lügt nicht wirklich, aber … die Wahrheit sagt er auch nicht.
Verzweigung
„Ich weiß nicht, ich habe ein ungutes Gefühl dabei …“
„Warum sollte ich dich anlügen?“
Zunächst mal um deine Begleiter zu demütigen.
Weil er präsenter ist als die anderen beiden und zu Manipulation fähig.
„Weil du ein schmieriger alter Sack bist.“
„Es ist nur so eine blöde Wolfsfigur aus dieser Show, nach der alle Kinder aktuell verrückt sind.“ Er hebt verzweifelt die Hände.
„Anscheinend lieben sie diesen Mist. Aber gut, Mirzäa.“
Verzweigung
Scheiß auf die Kinder, sie werden nichts vermissen, was sie nie hatten. Du brauchst das Wolfs-Merch dringender als sie.
DU WIRST NICHT DAS MITTEL SEIN, ÜBER DAS TECHNO-FASCHISTISCHE PROPAGANDA SICH AUSBREITET UND FORMBARE JUNGE GEISTER INFIZIERT.
Wenn du denkst, er könnte etwas im Schilde führen, wäre der einfachste Weg, das aufzudecken, so zu tun, als wolltest du seine Aufgabe erfüllen, und dann mit ihr darüber zu reden.
Verzweigung
„Wolf-Merch, sagst du?“
Verzweigung
„Sag jetzt nicht, dass du dich für den Mumpitz interessierst? Ich dachte, das wäre nur Kinderkram …“
Nichts ist besser als 'Kinderkram', um sich der eigenen Obsoleszenz so richtig bewusst zu werden.
„Vielleicht bin ich einfach zu alt, um das zu verstehen.“ Er schüttelt den Kopf und wirkt ehrlich abgeschreckt.
Verzweigung
„Na gut, na gut, es tut mir leid!“ (Du nimmst die Aufgabe an.)
Verzweigung
„Danke, Mirzäa. Ehrlich gesagt finde ich es nur schade, dass ich es nicht persönlich überbringen kann.“
Alternative Formulierung
„Ich wusste, du würdest es dir überlegen, Mirzäa. Ehrlich gesagt finde ich es nur schade, dass ich es nicht persönlich überbringen kann.“
Verzweigung
„Warte kurz … hier.“ Er kramt in einem kleinen Beutel herum, der am Bein seines Stuhls herumliegt und reicht dir einen Plastikbecher.
„Sag ihnen, das ist von Opa Sam. Vergiss das nicht.“
„Moment, 'Opa Sam'?“
„Ach, das ist nur ein kleiner Scherz zwischen uns. Ein Spitzname, wenn man so will.“
„Hrreeeh …!“ João atmet verzweifelt ein, als ginge ihm die Luft aus. SLAVA starrt einfach nur auf den Boden.
Ein letzter Beweis, dass das mit ihrer Adresse kein Bluff war. Das ist mehr, als die armen Piloten verkraften können.
„Kennst du die Wohnraumkampagne? Nordwestlich der Partygasse. Sie hat ein Hausboot im Kanal da oben. Es sollte eines der einzigen dort sein.“
Verzweigung
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„Alles klar. Ein Hausboot in der Wohnraumkampagne.“
„Danke, Mirzäa. Wir bleiben hier.“
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„Nicht meine oberste Priorität, aber irgendwann werde ich dort hinkommen.“
„Verstanden.“
„Warte kurz … hier.“ Er kramt in einem kleinen Beutel herum, der am Bein seines Stuhls herumliegt und reicht dir einen Plastikbecher.
„Also gut, PIGEON. Ich werde den Kindern der Herzogin dein Geschenk überbringen.“ (Du tust so, als ob du die Aufgabe annimmst.)
„Nein. Ich vertraue dir nicht, das mache ich nicht.“ (Du lehnst die Aufgabe ab.)
„Ganz, wie du willst, Mirzäa. Ich bin hier, falls du es dir anders überlegst.“
„Sag du es mir.“
„Ja, klar.“ (Du nimmst die Aufgabe an.)
„Kommt drauf an. Was brauchst du denn?“
„Oh, es ist nur so eine alberne Wolfsfigur aus irgendeiner Show, nach der die Kinder verrückt sind.“
Verzweigung
66 Wolves! Scheiß auf die Kinder, sie werden nichts vermissen, was sie nie hatten.
DU WIRST NICHT DAS MITTEL SEIN, ÜBER DAS TECHNO-FASCHISTISCHE PROPAGANDA SICH AUSBREITET UND FORMBARE JUNGE GEISTER INFIZIERT.
Verzweigung
„Ich nehme dir das Merch gerne ab, aber ich kann nicht versprechen, dass es die Kinder der Herzogin erreichen wird.“
„Ich halte '66 Wolves' für schädlich für die Kultur.“
„Was soll das heißen 'die Kultur'? Das ist doch nur Kinderkram …“
„Spiel das nicht runter. Kinder prägen die Kultur.“
„Klingt langweilig. Kinderkram.“
„Genau darum geht es doch. Kram für die Kinder.“
„Ich bin viel zu beschäftigt, um Geschenkelieferungen für alte Piloten auszutragen.“ (Du lehnst die Aufgabe ab.)
„Aber nicht zu beschäftigt, um sie über ihre sexuellen Neigungen auszufragen, was?“
„Lass es mich wissen, falls du die Zeit doch findest …“
Verzweigung
„Wahrscheinlich nicht, aber lass mal hören.“
„Sie ist nicht deine Freundin, alter Mann. Das gehört nur zu ihrer Nummer.“
„Das denkst du, Mirzäa.“
„Ja, ja, sicher, wie auch immer.“
„Sie gibt mir Befehle. Manchmal bestraft sie mich.“
„Bist wohl unterwürfig, was?“
„Komm schon, Süße. Wie bestraft sie dich? Erzähl mir die Einzelheiten.“
Reiz und Reaktion. Seine Atmung beschleunigt sich und unter dem Tisch fummelt seine Hand an seinem Schritt herum.
„Vor allem, indem sie mir Lob vorenthält. Und manchmal Geld.“
„Bäh! Klingt nach den Fantasien des Finanz-Fuzzis.“
Verzweigung
„Manchmal steckt sie mich in einen Gefrierschrank.“
„Oh, das ist gut. Wie ein großes Stück Fleisch. Das gefällt mir. Vielleicht verwende ich das.“
„Das geht dich gar nichts an.“
„Glaub mir, zusammengenommen gibt es nichts, was wir drei an diesem Telefon nicht schon gehört hätten.“
„Huuuh …“ Er nickt zustimmend und starrt dich vielsagend an.
Verzweigung
„Und auf was für kranke, verrückte Scheiße stehst du, PIGEON?“
„Früher habe ich die Herzogin um perverses Zeug gebeten, aber jetzt nicht mehr. Wir sind jetzt einfach Freunde.“
„Ich will nicht neugierig sein.“ (Du lässt das Thema fallen.)
„Wenn ihr mich fragt, ist Neugierde der halbe Spaß.“ Er hebt vielsagend eine ausgedünnte Augenbraue in deine Richtung.
Verzweigung
„Wie war das mit der Bitte an die Herzogin, Tiergeräusche zu machen?“
„Üble Nachrede, das war das.“
„Zuhause in der Pächterschaft gibt es ein Märchen über eine Art Meerjungfrau, Denizkadin heißen sie. Sie sind zum Teil eine Frau und zum Teil eine Seekuh und locken Matrosen in den Tod. Und Piloten natürlich.“
Die gewaltige, fettige Masse eines Seekuh-Unterkörpers taucht vor deinem inneren Auge auf. Die Proportionen wollen so gar nicht zu dem anmutigen Frauen-Oberkörper passen, der wie ein Tumor aus ihm hervorwächst.
„Erzähl weiter …“
„Die Sache ist, dass Denizkadin nicht genau zur Hälfte Seekuh und zur Hälfte Mensch sind, so wie die Meerjungfrauen, die sie hier haben. Jedes Körperteil könnte das eines Menschen oder das einer Seekuh sein.“
Er redet sich schon wieder in etwas hinein. Diese Gruppe hat überhaupt keine Hemmschwelle was Erregung in der Öffentlichkeit angeht.
„Es gibt also Frauen mit fetten Schwänzen. Frauen mit Flossen aber ohne Arme. Frauen, die ganz normal aussehen, bis auf ihre Ohren, die wie zwei Bauchnabel an den Seiten ihres Kopfes aussehen …“
Ein bizarres Bestiarium nimmt Gestalt an …
„Seekühe mit Menschenbeinen und Titten …“
„Ah, eine Frau ganz nach meinem Geschmack …“
„Puh, jetzt geht es los …“
„Es gibt eine Geschichte darüber, wie eine Gruppe Fischer eine Denizkadin gefangen und sie aufs Boot gezerrt hat. Erst dachten sie, sie wäre einfach eine Seekuh.“
„Dann haben sie sie umgedreht und bemerkt, dass nur eine Sache an ihr anders war … sie hatte die schrumpelige Vulva einer alten Frau, komplett mit einem Büschel grauer Haare.“
Eine eingefallene, graue Vulva inmitten riesiger Falten gummiartiger Haut.
„Das klingt jetzt einfach nur nach einer Seekuh.“
„Es ist nur ein Märchen, Süße. In deiner Fantasie ist alles möglich.“
„Märchen hin oder her, du kannst dir das Quieken, das er sie von sich geben lässt, kaum vorstellen. Wie ein Schwein beim Schlachter. Man kann es bis hierher hören.“
Was für Geräusche machen Seekühe eigentlich? Du stellst sie dir im Allgemeinen als eher ruhige Tiere vor.
Verzweigung
„Die Geschichte haben die Matrosen sich vielleicht nur ausgedacht, um zu erklären, warum sie Sex mit Meereskreaturen haben.“
„Darauf holst du dir einen runter?“
„Manchmal. Manchmal zieht sie den Matrosen auch von Bord und ich kann hören, wie sie um sich schlägt, spritzt und unter Wasser stöhnt.“
„Ich glaube, für die Nummer sitzt die Herzogin neben einer Badewanne.“
„Sie quietscht also wie eine Seekuh?“
„Frauen mit Atemlöchern am Hinterkopf …“
„Hm, nicht schlecht! Das sind dann zwar Delfine, keine Seekühe, aber trotzdem … nicht schlecht.“ Er leckt sich die Lippen.
„Igitt, hör auf. Ich verstehe schon.“
„Ich glaube nicht, dass du das verstehst. Wenn du das nächste Mal ein hübsches junges Ding siehst … stell sie dir mal mit dem Körper einer Seekuh vor, hm … Versuch's einfach.“
Verzweigung
„Etwas weniger erregendes habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört.“
„Nein, nein, vertrau mir. Das ist wirklich sinnlich, richtig edler Stoff, weißt du …“
„Seekühe. So richtig heiß.“
„Ja, aber warte …“
„Ist das so ein Fettleibigkeits-Fetisch?“
„Aber wenigstens Quassel-João ist nicht verrückt nach der Wunder-Hotline, oder?“
„Das denkst du.“ Er dreht sich zu João um.
„Hhehh …“ Sein immerwährendes Lächeln wird noch eine Spur breiter.
Du dachtest, weil Telefonsex verbal ist? Denk noch mal genau nach.
„Das kann nicht dein Ernst sein.“
„Hhuuuhhh … Hhuhh … Hhuhh …“ Er keucht schwer und sieht dir dabei direkt in die Augen.
Nach einem Moment wird dir klar, dass das nicht einfach seine übliche Masche ist – sondern eine Demonstration.
„Das. Eine Stunde lang.“
„Er keucht also, und was macht sie?“
„Zurückkeuchen, nehme ich an.“
„Im Großen und Ganzen gehört das wohl zu den harmloseren Dingen, die die Leute sich so wünschen.“
„Hhuuuhhh … Hhuhh … Hhuhh …“ Er keucht weiter.
Furcht wird zu Verlangen. Abstoßung wird zu Anziehung. Der Tod wird zu Sex und dann wieder zum Tod.
„Hey, alter Mann. Was immer dir gefällt.“
„Hhuuuhhh … Hhuhh … Hhuhh …“ Die Intensität des Keuchens nimmt zu.
Verzweigung
„Okay, kannst du jetzt … mit dem Keuchen aufhören?“
„Hör auf, du stachelst ihn nur an.“
„Lieber Himmel, das ist furchterregend.“
„Objektiv betrachtet, ja.“
„Aber … wie?“
„Wisst ihr was? Das geht mich nichts an.“
„Hhck Hhck!“ Wieder dringt dieses fürchterliche Kichern aus seiner Kehle.
Verzweigung
„Reden wir über etwas anderes …“
Alternative Formulierung
„Genug von der Herzogin.“ (Zurück.)
„Hm. Von ihr kann man nicht genug bekommen, wenn du mich fragst.“
Verzweigung
„Reden wir noch etwas über die Wunder-Hotline.“
„Das könnte ich jederzeit tun.“
„Wenn du immer noch möchtest, dass ich der Herzogin dieses Geschenk überbringe, dann mache ich das, PIGEON.“ (Du nimmst die Aufgabe an.)
Verzweigung
„Also … 'Opa Sam', ja?“
„Ah, dann hast du ihr das Geschenk also überbracht, ja?“ Ein Lächeln bahnt sich einen Weg durch das alte Fleisch.
Dezent und anzüglich – zum ersten Mal siehst du ihn wirklich lächeln.
Das Lächeln eines Anglerfisches. Ein Raubtier. Er stellt dich auf die Probe. Unendlich geduldig.
„Hat es den Kindern gefallen?“ Die Stimmung des ahnungslosen alten Mannes hellt sich auf.
„Ja, erzähl mal … haben sie sich gefreut?“
„Sie hat es nicht angenommen.“
„Ich habe ja nicht erwartet, dass sie damit spielt, oder? Die Geste war für sie, das Geschenk war für ihre Kinder …“
„Du kranker alter Arsch.“
„Was ist denn?“
„Ich wusste, dass sie kein Geschenk eines Kunden annehmen würde, also musste ich improvisieren. Eigentlich ganz harmlos, wenn man drüber nachdenkt …“
Eine ausgebildete Operantin. Eingespannt wie eine Bogensehne. Von einem perversen alten Mann.
Technisch gesehen harmlos, schmierig genug, um als Waffe durchzugehen.
Verzweigung
„'Sam' ist der Name ihres toten Vaters. Das war eine Drohung.“
„Was sollte ich ihr denn tun? Ich bin seit Wochen kaum von diesem Stuhl aufgestanden.“
„PIGEON … Was du da alles erzählt hast. Von wegen, sie wäre deine Freundin, würde sich dir anvertrauen …“ Seine Stimme nimmt einen vorsichtigen Tonfall an.
Eingeschüchtert und geschrumpft scheint SLAVA um zehn Jahre zu altern, während ihm das Ausmaß des Verrats bewusst wird.
„Lügen. Kranke Lügen.“
„Du meintest, du würdest so etwas nicht mehr machen.“
„Pah. Verpiss dich zu deinen Seekühen und lass mich in Ruhe. Ich war immer noch näher dran, als ihr es je sein werdet.“
Die normalerweise gelbliche Haut des Mannes nimmt einen fast lilafarbenen Rotton an.
Ihm widerfährt nun das, wovor Männer wie er sich am meisten fürchten: eine Demütigung durch eine Frau.
Quassel-João ist grabesstill und atmet kaum. Das Lächeln ist aus seinem Gesicht verschwunden.
Verzweigung
„Das ist eine Sache zwischen uns, SLAVA.“
„'Sam' ist der Name ihres gewangten Vaters. Das war eine Drohung.“
„Was hast du gehofft, damit zu erreichen?“
„Was? Darf ein Mann einer Frau keine nette Geste erweisen? Das ist hier ja wohl noch erlaubt?!“
„So dumm bist du nicht. Du weißt, wie das wirkt.“
Einen Moment lang hält er deinen Blick.
Hinter dem Schleier des Lächelns huscht ein Knurren über sein Gesicht.
„Man kann nicht immer nur mit Telefonsex leben. Für diese Tiere mag das vielleicht reichen, aber ich bin ein Mann …“
Er will mehr.
Es gibt kein größeres Ziel. Nur einen Impuls, ein Verlangen nach dem, was er nicht haben kann.
„Ich sterbe so oder so. Wer schert sich also einen Scheißdreck darum? Und ich wusste, dass das Geschenk ihren Kindern gefallen würde.“
„Deswegen ist das trotzdem nicht in Ordnung.“
„Gern geschehen.“ Er spuckt aus und widmet sich wieder dem Besäufnis.
Verzweigung
„Wie auch immer. Letzten Endes geht mich das nichts an.“
„Nein, das tut es wirklich nicht.“ Er spuckt aus und widmet sich wieder dem Besäufnis.
„Du hast das für dich gemacht. Was ich nicht verstehe ist der Grund dafür.“
„Wie hast du überhaupt herausgefunden, wo sie wohnt?“
„Bitte. Ich habe zwei oder drei Viertel meines Lebens damit verbracht, mich mit Kommunikationsgeräten herumzuschlagen, die drei Generationen primitiver waren als das Netzwerk von Renotel.“
Kein Orientierungssinn … also hat er gelernt, gut mit seinen Instrumenten umzugehen.
Du bist unfreiwillig beeindruckt.
„Diese Idioten hätten das auch schaffen können, wenn sie dem Vorhaben vielleicht halb so viel Energie gewidmet hätten wie der Masturbation.“
Verzweigung
„Und worüber redest du nun mit ihr, wo die ganze Geschichte über eure Freundschaft eine Lüge war?“ (Abschließen.)
„Nach diesem moralisch wertvollen Vortrag interessieren dich die sexuellen Vorlieben eines alten Mannes doch noch, was, Mirzäa?“
„Das ist wohl nur fair. Immerhin hast du mir einen Gefallen getan …“
„Der eigentliche Gefallen wäre es, dir den Hals umzudrehen.“
„Denkst du, das würde mich stören?“
„Okay. Dann teile mal deine kranke Fantasie mit uns.“
„Wenn wir sprechen, bin ich wieder beim Militär und fliege einen V-138-Bomber.“
EIN STAATLICH FINANZIERTES INSTRUMENT DES TODES.
Mir all den Köpfen und Anzeigen zum Spielen wäre es schwer, sich zu konzentrieren – aber du kannst es dir vorstellen.
Verzweigung
„Lass mich raten, sie spielt deinen Kopilot, der dir bei zweitausend Kilometern die Stunde den Schwanz lutscht?“
„Nein. Die Herzogin ist Luzianerin. Ich fliege einen Bombenangriff auf ihre Stadt. Es gibt nur mich, den Knopf und die Auslöschung einer ganzen Rasse von Schweinen.“
Todeslust, in deinem Kiefer und deiner Fotze.
Wenn ein Orgasmus ein 'kleiner Tod' ist, dann ist der Tod ein großer Orgasmus.
„Red weiter.“
„Sie fängt an zu schreien, während die Luft sich mit dem wütenden Brummen von einhundert Propellern füllt.“
„Dann fallen die Bomben und dann schreit sie richtig.“
Die Sättigung verzerrt die Tonausgabe des Hörers, das Signal ist mehr, als die Elektronik verkraften kann.
„Sie schreit nach mir, bis ihre Stimme versagt und sie nicht mehr kann und dann … verstummt sie. Die ganze Stadt verstummt. Es ist vorbei.“
„Woah.“
„Du hast gefragt, Mirzäa.“
„Und wenn du jemals das Bedürfnis hast, zu schreien … ruf mich an.“ Er blinzelt dir zu.
Verzweigung
„Das ist harter Tobak, PIGEON.“
„Ich vergebe dir nur, weil das so verdammt heiß war …“
„Immer wieder gern, Mirzäa.“
„Genau, wie sie es mit deinen Leuten gemacht haben …“
„Nein, nein, sie haben Berrion-Bomben abgeworfen. Sofortige Vernichtung, kein Schmerz, keine Spuren. Wir reden hier von herkömmlichen Waffen.“
Die analoge Freude von geölten Hebeln, die Abwurfmechanismen aktivieren. Sprengköpfe mit 27 kg werden mit einem Flüstern, als würde man ein Schwert ziehen, in den Himmel entlassen.
„Brandbomben. Streumunition. Blut. Schrapnell. Schreiende Frauen, die unter Trümmern eingeklemmt sind.“
„Das ist noch kränker.“
„Ohne Menschen wird es nicht anregend, Mirzäa.“
Seine Gefährten rutschen derweil auf ihren Sitzen herum.
Selbst für sie ist das etwas zu viel.
„Das ist nichts für mich.“ (Du gehst zurück.)
„Ha! Du hast gefragt, Mirzäa.“
Verzweigung
„Immer besser.“
„Oder?“
„Das reicht mir. Ich bin raus.“
„Und wer ist sie? Deine treue Freundin, die dich zu Hause erwartet?“
„Und wer ist die Herzogin in diesem Szenario?“
„Der Feind. Sie ist Luzianerin, verstehst du? Und ich fliege einen Bombenangriff auf ihre Stadt. Es gibt nur mich, den Knopf und die Auslöschung einer ganzen Rasse von Schweinen.“
„Ich habe es mir anders überlegt, behalte deine Schweinereien für dich.“
Verzweigung
„Hör auf, dich dumm zu stellen. Was ist dein Ziel bei diesem Spiel?“
„Da gibt es kein Ziel. Und eigentlich auch kein nennenswertes Spiel.“ Seine Augen funkeln.
„Wir sehen uns, meine Herren Kapitäne.“ [Du gehst.]
„Bis zum nächsten Mal, Süße.“
Verzweigung
Ende dieses Zweigs
Verzweigung
„Ich habe keine Ahnung, wie du den Geier vom Telefon wegbekommen hast, Mirzäa, aber wir schulden dir einen Drink.“
„Huiii …“ Dieses Mal schenkt Quassel-João ein und strahlt dabei bis über beide Ohren.
„Gern geschehen, Jungs.“ (Du nimmst den Drink an.)
Der in Portofiro gebrannte Schnaps schmeckt so scheußlich und wirkt so beruhigend wie immer.
„Was hat dich zurück hierher geführt?“
Verzweigung
„Nein, danke. Ich habe das nicht für euch getan.“
„Ah, aber wir sind es, die die Früchte deiner Arbeit einfahren werden.“ Er leert das Glas selbst.
„Mirzäa.“ PIGEON nickt dir zu.
Verzweigung
Verzweigung
„Ich habe keine Ahnung, wie du den Geier vom Telefon wegbekommen hast, aber du kannst mir glauben, wenn ich sage, dass wir in deiner Schuld stehen.“ Der alte Mann blickt dich mit unverhohlener Dankbarkeit an.
Als er dich anspricht, schnellen die Blicke seiner beiden Tischgenossen zu dir wie trübe Scheinwerfer.
Geifernd, unfähig, doch aufgerührt, Hyänen.
„Den Geier?“
„Der elendige Hund hat diesen Hörer eine Woche lang nicht aus der Hand gelegt. Aber er ist egal, was ist mit dir …“
„Bist weit weg von Mirzäa.“ Er lächelt wissend.
Er konnte dich direkt zuordnen, obwohl dein Akzent in den zehn Jahren seit du weg bist deutlich dezenter geworden ist.
„Was ist passiert, Zuckerschnecke? Hast du dich verlaufen oder sehnst du dich einfach nach Gesellschaft?“
Töte diesen lüsternen Tattergreis.
„Sag das noch mal und ich drücke diese Zigarre in deiner Augenhöhle aus.“
„Ach, komm schon. Das ist doch nett gemeint!“
„Ha! Mach das trotzdem. Für den Anblick würde ich zahlen. Wie steht's mit dir, João?“
„Hmmm …“ Der Dritte gibt kaum einen Ton von sich, atmet aber weiter und nickt aufgeregt.
Verzweigung
„Tiere. So sind allerdings die meisten Piloten drauf. Wir schulden dir mindestens einen Drink, weil du diesen Tele-Geier losgeworden bist – hier.“ Ein Schnapsglas rutscht über den Tisch auf dich zu.
Er tauscht keine Höflichkeiten aus, sondern klärt die Hierarchien. Du und er – Menschen. Seine Kameraden – keine Menschen.
„Wenn sie Tiere sind, warum verbringst du dann Zeit mit ihnen?“
„Weil ich auch ein Tier bin.“ Er lächelt schmierig.
„Prost, liebe Tiere.“ (Du trinkst.)
Schnaps. Beißend rinnt er dir die Kehle hinab. Es folgt eine Art betäubender Dampf, der bis in deine Nebenhöhlen dringt.
Verzweigung
„Wir alle sind Fremde auf dieser Insel, Mirzäa. Warum setzt du dich nicht zu uns?“
Verzweigung
Verzweigung
Ein paar Meter entfernt schnauft und schwitzt dein Ziel, während er ins Münztelefon flüstert; die Telefonschnur hat er noch immer um den Hals gewickelt.
Er hat ebenfalls die hasserfüllte Aufmerksamkeit des Alten auf sich gezogen. Vielleicht gibt es einen Weg hinein.
Verzweigung
Ein paar Meter entfernt schnauft und schwitzt der wohlgekleidete junge Mann, während er ins Münztelefon flüstert; die Telefonschnur hat er noch immer um den Hals gewickelt.
Keine zehn Meter entfernt hält ein junger Mann sich den Hörer des Münztelefons ans Ohr und flüstert eindringlich.
„Wir sind alle Fremde in dieser Stadt, warum setzt du dich nicht zu uns? Wir haben nichts Besseres zu tun, zumindest nicht, bis der Tele-Geier da drüben sich verpisst oder abkratzt.“ Er macht eine Handbewegung über seine Schulter hinweg.
„Nur reden, nicht trinken.“
Der alte Mann zuckt mit den Schultern und leert das Glas selbst.
„Tiere. So sind allerdings die meisten Piloten drauf. Hier.“ Ein Schnapsglas rutscht über den Tisch auf dich zu.
„Betrachtet das hier als öffentliche Dienstleistung. Eine Art Gesundheits-Überprüfung für die Impotenten und die ohne Freunde.“
„Huhh …“ Der dritte alte Mann hat bisher geschwiegen. Auch jetzt sagt er nichts, ist aber sichtbar aufgeregt.
„Ich warne dich gleich, selbst, wenn wir zusammenlegen haben wir hier nur ein paar Sol am Tisch.“
„Wie auch immer. Ich habe ein paar Fragen an euch.“
„Huhh …“ Der dritte alte Mann sagt kein Wort, atmet aber hörbar lauter und fixiert dich mit seinem Starren.
„Ich sehe keinen Grund, das anzunehmen.“ [Du gehst.]
„Moment, Fräulein … es tut mir leid …“ Der alte Mann wirkt eher verwirrt als reumütig, als er eine lasche Hand nach dir ausstreckt.
„Ich freue mich, wenn ich helfen kann.“
Verzweigung
„Hast wohl entschieden, uns noch eine Chance zu geben? Ich entschuldige mich für die Wortwahl meines Freundes vorhin.“
„Hab das nicht bös gemeint, Fräulein.“
Verzweigung
„Du bist nicht aus Portofiro.“ Der alte Mann mustert dich von Kopf bis Fuß.
Er auch nicht. Der Akzent verrät es – die Vokale klingen wie Musik und die Rs vermeiden das Rollen nur mit allergrößter Anstrengung.
Als er dich anspricht, schnellen die Blicke seiner beiden Tischgenossen zu dir wie trübe Scheinwerfer.
Geifernd, unfähig, doch aufgerührt, Hyänen.
Verzweigung
„Du auch nicht.“
„Gleich und Gleich erkennt sich gut. Und du …“
„Ja, und?“
„Ausländer haben immer die besten Geschichten. Viel spannender als die ortsansässige Fauna. Und du …“
„Da liegst du falsch. Ich stamme aus Quisach, bin dort geboren und aufgewachsen.“ (Du lügst.)
„Und sprichst deine Vokale so aus? Ich denke nicht. Ich wollte sagen, dass du Mirzäisch aussiehst … aber jetzt, wo ich deinen Akzent höre, klingst du auch so.“ Er grinst.
Du sagst nichts und siehst ihn einfach nur an.