Verzweigung
Ein Klick irgendwo im Inneren, und die Welt wird langsamer.
Eine plötzliche Ausschüttung von Adrenalin ins Blut.
Achtung. Sichtlinie.
Dein Blick trifft den des Mannes aus dem Fotogeschäft.
Hallo, Beschatter.
Er hält etwas unter seinem Mantel.
Seine Worte kommen mir wieder in den Sinn: „Ein kleines Foto sollte doch nicht als Verbrechen gelten, es ist ja nicht so, als wäre es eine geladene Waffe oder so.“
Jetzt ist es an der Zeit zu handeln.
Verzweigung
Verzweigung
Verzweigung
Du analysierst.
Vor dir liegen zwei Wege: Geh geradeaus oder geh nach unten.
Mach dich unsichtbar und tanz direkt vor seinen Augen vorbei.
Funktionale Unsichtbarkeit?
Werde durchsichtig, brich das Licht, versteck dich in aller Öffentlichkeit.
„Funktionale Unsichtbarkeit“ ist ein fortgeschrittener kognitiver Schachzug – diese Taktiken werden von der Operanten-Dienststelle zwar nicht offiziell anerkannt, doch unter den Operanten kursieren Gerüchte über ihren Erfolg …
Verzweigung
Ich werde erschossen, oder?
Was man nicht sehen kann, kann man auch nicht fotografieren.
Lieber nicht.
Dann also Sichtbarkeit.
Verzweigung
Verzweigung
Funktionale Unsichtbarkeit aktivieren.
Dein Gegner schaut mal hierhin, mal dorthin. Er glaubte, sein Ziel gesehen zu haben … aber da ist niemand, nur eine anonyme Menschenmenge, die ihren Geschäften nachgeht.
Die Atome zittern, wenn du durch sie hindurchgehst.
Er dreht seinen Kopf in deine Richtung.
Schau mal runter.
Sein Blick gleitet über dich, ohne zu stocken.
Deine Gestalt mag flackern, aber bleib konzentriert, dann bleibt die Tarnung erhalten.
Der Ausgang ist schon in Sicht. Fast schon zum Greifen nah …
… genauso wie er.
Du hörst das Surren eines 50-ccm-Motors. In deinem Blickfeld taucht ein kleines Tuk-Tuk auf.
„Hey, hey, du Opern-Schlampe! Hierher!“
Verzweigung
Verzweigung
Verzweigung
Bewerte.
Ein Teenager in einem Tuk-Tuk hat dich als Schlampe bezeichnet. Er könnte ein Verbündeter sein. Du hast vielleicht keine Wahl.
Du schaust sie an.
Verzweigung
Dein Mantel der Gleichgültigkeit hält.
Du kennst sie nicht, aber sie scheint dich zu kennen.
Verzweigung
Wer ist sie?
Das muss Tempos Assistent sein.
Es gibt nur einen Weg, das rauszufinden.
Verzweigung
Du stürmst auf deinen Verfolger los.
Dein Körper knistert vor Elektrizität, während du deinen Gegner in die Knie zwingst.
Seine Augen leuchten vor Angst.
Verzweigung
Hast du ihn getötet?
Du hast ihm gerade den Atem geraubt. Der wird erst Mal die Finger von 'Straßenfotografie' lassen.
Verzweigung
Habe ich ihn gewangt?
Du tust ihm noch mehr weh. Das hier ist jetzt persönlich.
Der Typ zuckt zusammen und die Luft steht still. Zwei Körper knallen zusammen; einer geht zu Boden.
Verzweigung
Verzweigung
Das Tuk-Tuk hupt. Deine Flucht steht kurz bevor.
„Komm schon, wir müssen hier weg.“
Der Mann zieht seine Hand aus seinem Mantel. Er hält eine Kamera fest umklammert.
Los geht's!
Du rennst zum wartenden Tuk-Tuk und hievst dich rauf.
Verzweigung
Ende dieses Zweigs
CASCADE gewinnt diese Runde!
Vergiss es, gehen wir.
Der Aufprall bringt euch beide aus dem Gleichgewicht.
Oh Mann, der hat uns voll auf dem Haken!
Verzweigung
Verzweigung
Licht aus.
Jetzt geht's los.
Das kann doch nicht wahr sein.
Mit einem grellen Blitz kehrst du in die Welt zurück. Der Mann lässt seine Kamera sinken.
„Willkommen auf der brutalen Bühne, die wir 'Gesellschaft' nennen.“
Dieses Ergebnis ist das genaue Gegenteil von dem, worauf du trainiert wurdest.
Mach dich wieder sauber.
Du wendest dich dem wartenden Tuk-Tuk zu.
Los.
Ich werde gleich sterben, oder?
Es tut mir leid, Tempo.
Bleib funktional unsichtbar.
Die Technik ist einfach perfekt und super. Man fragt sich, welche Geheimnisse die Oper dir noch vorenthält.
Ist es Können, Intuition oder Glück? Eine Frage für die Philosophen.
Noch ein bisschen weiter. Nur noch ein bisschen.
Du bewegst dich unbemerkt.
Verzweigung
Eines können sie nicht leugnen … Ich hab’s immer noch drauf.
Die Belastung durch das Manöver ist zu groß. Der Spiegel flimmert und zerbricht dann.
Verzweigung
Ausweichmanöver!
Melita würde sich in ihrem Stuhl zurücklehnen, wenn sie dich jetzt sehen würde, wie du deinem Gegner mühelos ausweichst.
Fünf Jahre im Gefrierschrank? Merkt man gar nicht.
Es ist, als wärst du nie wirklich hier gewesen.
Verzweigung
Du stolperst über deinen eigenen Schatten. Eine zu hastige Rückkehr – die Bühnenarbeiter lassen den Vorhang hastig fallen.
Verzweigung
Du schaust ihm direkt in die Augen.
Blinzel.
Für einen Moment ist auch die Welt unsichtbar.
Tief in dir macht sich plötzlich ein starkes Zögern breit und übernimmt die Kontrolle.
Das ist nicht das Unsichtbarkeitsmanöver.
Ja, das ist es.
Warum gucken dich dann die Leute an?
Augen.
Das sind sie nicht. Ich versuche, das hinzukriegen.
Die Art, wie dein Verfolger dich anschaut, lässt das eher nicht vermuten.
Seine Augen waren wie Fliegen um eine Leiche herum: winzig, hässlich und unerbittlich.
Plötzlich verschwindet seine Hand in den Falten seines Mantels und ein Gegenstand kommt zum Vorschein: hart, eckig, sperrig …
Nichts gutes.
Du atmest tief durch.
Lauf.
Die Zeit steht still.
Du hörst das Surren eines 50-ccm-Motors. In deinem Blickfeld taucht ein kleines Tuk-Tuk auf.
„Hey, hey, du Opern-Schlampe! Hierher!“
Verzweigung
Bete.
Was läuft falsch?
Du bist echt super auffällig.
Nein. Ich bin unsichtbar.
… Bin ich?
Die Art, wie dein Verfolger dich anschaut, lässt das vermuten.
Verzweigung
Geh runter in die untere Etage.
Deine Muskeln spannen sich in Erwartung des Starts an.
Für einen Moment – die Leere und Schwerelosigkeit des Weltraums, der Ort der unbegrenzten Möglichkeiten …
Manche schreiben schlechte Gedichte zu diesem Thema und nennen das dann kathartisch.
Dann kommt die Schwerkraft ins Spiel.
Schwebe.
Du fällst nicht, du schwebst herunter – ein Mond, der aus seiner Bahn geworfen wurde und mit brennendem Schweif auf die Hauptstadt zusteuert.
Die Schockwelle ist mega stark und leise, während sie nach oben, nach außen und umher geht.
Du atmest tief durch.
Die Luft fühlt sich kühl und belebend an.
Los.
Du vermeidest vorerst die Sichtlinie, aber nicht für lange.
Verzweigung
Verzweigung
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Du analysierst deine Position.
Verzweigung
Du bist außer Sichtweite … zumindest vorerst.
Verzweigung
Vielleicht schaffst du es die Treppe hinauf … oder du kannst etwas aus der Kiste vor dir als Tarnung nutzen.
Verzweigung
Mach dir schnell eine Verkleidung, um ihn in der Menge abzuhängen.
In dieser Box sind viele Sachen drin. Eine davon könnte deine sein.
Deine Hände streicheln verschiedene Kopfbedeckungen und bleiben schließlich bei einem glänzenden, leuchtenden Visier hängen.
Ist das zu … glänzend?
Nein. Es bringt dein inneres Strahlen zum Vorschein.
Der Mann ist schmierig, unbeholfen und trägt einen grellen, bunten Mantel; er steht da und schaut sich nervös um, während eine Hand in Richtung seiner Tasche greift.
Sein Blick gleitet ganz ruhig über dich hinweg.
Ich muss wohl so eine Ikone sein, dass normale Sterbliche es nicht wagen, mich anzuschauen.
Lass dich nicht mitreißen … er ist immer noch hier.
Du hörst das Surren eines 50-ccm-Motors. In deinem Blickfeld taucht ein kleines Tuk-Tuk auf.
„Hey, hey, du Opern-Schlampe! Hierher!“
Verzweigung
Sei frei, innerer Glanz.
Eines Tages wird es so sein – du bist nur sein Gefäß.
Los.
Das klingt gut.
Das passiert eben, wenn du dir alles spontan ausdenkst.
Der Wille, der deine Hände lenkt, wenn sie in die Schachtel greifen, ist nicht dein eigener.
Vielleicht ist es die Verkleidung selbst, die existieren will.
Was ist das?
Die Frage ist: „Wer bin ich?“
Verzweigung
Was ist, wenn ich in diesem Ding erschossen werde?
Wenigstens sehen sie deinen Gesichtsausdruck nicht.
Das Wackeln reicht aus, um dir eine mittelschwere Migräne zu bescheren.
Schau ihn durch die Verkleidung an.
Dein Verfolger guckt mit kindlicher Verwunderung auf deinen riesigen Kopf.
Er durchschaut die Verkleidung. Los, beweg dich!
Du hörst das Surren eines 50-ccm-Motors. In deinem Blickfeld taucht ein kleines Tuk-Tuk auf.
„Hey, hey, du Opern-Schlampe! Hierher!“
Verzweigung
Er durchschaut die Verkleidung. Los, beweg dich!
Nein, du gehst einfach weiter.
Du kannst deinen Blick abwenden, aber er starrt dich ganz ungeniert an, fast schon ungläubig.
Zumindest werde ich nicht zu erkennen sein.
Da ist etwas irgendwie … Perverses daran?
Tiefgreifend.
Denk nicht nach, zieh es einfach an.
Du spürst, wie es sich über deinem Kopf zusammenzieht – massiv, weich, unhandlich.
Verzweigung
Du gehst aus der Sichtlinie.
Die Luft scheint rein zu sein, als du die Treppe hochgehst.
Aus dem Augenwinkel siehst du deinen Verfolger. Er hat dich noch nicht entdeckt.
Los.
Du gehst auf den Ausgang zu, als plötzlich dein Verfolger wieder vor dir auftaucht. Eure Blicke treffen sich erneut.
Ob es nun Zufall oder ein raffinierter Plan war, es scheint, als sei es euer Schicksal, euch hier zu begegnen.
Du hörst das Surren eines 50-ccm-Motors. In deinem Blickfeld taucht ein kleines Tuk-Tuk auf.
„Hey, hey, du Opern-Schlampe! Hierher!“
Verzweigung
Dein Verstand sagt dir, du solltest zurückhaltend sein, aber deine Arme und Beine sagen etwas anderes. Du hast das Gefühl, dass alle Blicke im Basar auf dich gerichtet sind.
Einschließlich der deines Verfolgers.
Zeit, sich auf den Weg zu machen.
Schau mal runter.
Deine Muskeln spannen sich in Erwartung des Starts an.
Es gibt diesen Moment, wenn beide Beine ins Leere schwingen und die Entfernung zum Boden sich zu einer riesigen Leere ausdehnt.
Das wird wehtun.
Halt mal, warum denn?
Deine Haltung, Position und Gewichtsverteilung sehen so aus, als würde sich dein Körper auf ein Trampolin vorbereiten, nicht auf Beton.
Verdammt.
Du kneifst die Augen fest zu und wartest auf den Asphalt.
Der Aufprall kommt einen Wimpernschlag früher, als du erwartest. Deine Beine bekommen die volle Wucht ab.
Schätze den Schaden ein.
Bein: kaputt, aber noch geht's. Würde: weg, für immer.
Steh auf.
Du holst tief Luft. Zeit, deinen nächsten Schritt zu planen.
Verzweigung
Mach dich bereit.
Stopp! Bewegung abbrechen.
Du hast den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, längst überschritten.
Angst. Waffe. Bewegung.
Okay, konzentrier dich …